Pater Alt will Verfahrenseinstellung nicht hinnehmen

"Containern entkriminalisieren"

Der Jesuit Jörg Alt will sich mit der Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen ihn nicht abfinden. Alt hatte sich selbst wegen Containerns angezeigt, nachdem er aus Abfallbehältern von Supermärkten Lebensmittel genommen hatte.

Krumm gewachsenes Gemüse wird von Supermärkten oft aussortiert / © Valerii__Dex (shutterstock)
Krumm gewachsenes Gemüse wird von Supermärkten oft aussortiert / © Valerii__Dex ( shutterstock )

Das betonte er, nachdem die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erklärte hatte, die Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts auf besonders schweren Diebstahl mangels Tatnachweis eingestellt zu haben.

Mit diesem sogenannten Containern will der Jesuit Druck auf die Bundesregierung machen, ein Gesetz zur Rettung von Lebensmitteln auf den Weg zu bringen und eine Agrarwende einzuleiten.

Einstellung der Ermittlung nicht akzeptiert

Zur Begründung für die Einstellung der Ermittlungen hatte die Anklagebehörde angeführt, dass nicht zu klären gewesen sei, welche konkreten Lebensmittel Alt an welchen Supermärkten aus Abfallbehältern entwendet habe. Der Pater entgegnete, er selbst habe dafür Beweisfotos geliefert.

Jörg Alt / © Harald Oppitz (KNA)
Jörg Alt / © Harald Oppitz ( KNA )

Hinter der Entscheidung der Staatsanwaltschaft vermutet er politische Gründe und sieht eine Bevorzugung, weil er Priester ist. Bei anderen Menschen wäre angesichts der geltenden Rechtslage und deren Auslegung durch die Gerichte ein solcher Fall "unverzüglich und mit der ganzen Härte des Gesetzes zur Anklage gebracht worden". Man habe eine gerichtliche Befassung mit gesellschaftlich bedeutenden Themen vermeiden wollen.

Große öffentliche Aufmerksamkeit erregt

Er behalte sich vor, im Rahmen rechtlichen Gehörs weitere Details und Konkretisierungen eines Diebstahls zu den Akten zu geben, so Alt.

Brötchen und andere Lebensmittelabfälle in einer Tonne / © Christoph Soeder (dpa)
Brötchen und andere Lebensmittelabfälle in einer Tonne / © Christoph Soeder ( dpa )

"Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft dann dem Legalitäts- und Gleichbehandlungsgrundsatz folgend, die gegen mich geführten Ermittlungen wieder aufnimmt." So lange das sogenannte Containern nicht generell entkriminalisiert sei, gebe es keinen Raum für die Einstellung des Verfahrens gegen seine Person.

Die Aktion des Paters hatte große öffentliche Aufmerksamkeit erregt, vor allem auch in Sozialen Medien. Unter dem Hashtag #JesuitundDieb hatte er auch um Spenden für seine Anwaltskosten geworben. Alt wollte bewusst nicht auf Geld des Ordens zurückgreifen.

Jesuitenorden

Die Jesuiten sind die größte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Gründer der "Gesellschaft Jesu", so die offizielle Bezeichnung in Anlehnung an den lateinischen Namen "Societas Jesu" (SJ), ist der Spanier Ignatius von Loyola (1491-1556).

Jesuiten sind keine Mönche; sie führen kein Klosterleben und tragen keine Ordenskleidung. Neben Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichten sie sich in einem vierten Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Zudem legen sie ein Zusatzversprechen ab, nicht nach kirchlichen Ämtern zu streben.

Iesum Habemus Socium ("Wir haben Jesus als Gefährten") - das Emblem der Jesuiten / © Markian Pankiv (shutterstock)
Quelle:
KNA