Eine Freiheit, die nicht mehr an die Wahrheit gebunden sei, werde hingegen «auf tragische Weise zum Prinzip der Zerstörung der inneren Harmonie des Menschen». Nur wer sich dem Wort Gottes öffne, könne wahrhaft frei sein, betonte das Kirchenoberhaupt.
Der Papst bezog sich mit diesen Worten auf den mittelalterlichen Theologen Duns Scotus (1265/66-1308), der sich eingehend mit dem Verhältnis von Freiheit und menschlichem Willen beschäftigt hatte. Der in Schottland geborene Duns Scotus, der in Oxford, Paris und Cambridge lehrte, liegt in Köln begraben. Johannes Paul II. sprach den Franziskaner 1993 selig.
Benedikt XVI. hob in seiner Ansprache zugleich die besondere Rolle der Gottesmutter Maria hervor. Ihre unbefleckte Empfängnis Jesu besage, dass sie frei von der Erbsünde sei, so der Papst. Diese Überzeugung sei im Glauben des Volkes schon lange, bevor sie 1854 Papst Pius IX. zum Dogma erhoben habe, verankert gewesen. Dieser Fall sei ein «typisches Beispiel» dafür, dass der Glauben des Gottesvolkes dem Denken der Theologen vorausgehe.
Benedikt XVI. rief die Gläubigen zudem auf, der Katholiken zu gedenken, die in der Geschichte wegen ihres Glaubens, ihrer Kirchenzugehörigkeit und ihrem Bekenntnis zum Papst unterdrückt und verfolgt worden seien. Solche Christen verdienten «Bewunderung» und lehrten, den Glauben als wertvolles Gut zu hüten.
Die Generalaudienz war die letzte vor dem Sommerurlaub Benedikts XVI. in Castelgandolfo. Die nächste Bis Ende Juli sind alle öffentlichen Termine des Papstes ausgesetzt. An diesem Mittwochabend bricht das Kirchenoberhaupt zu seinem Sommersitz in den Albaner Bergen auf.
Papst warnt vor Gefahren schrankenloser Freiheit
Wahrhaft frei nur mit Gott
Papst Benedikt XVI. hat vor den Gefahren einer schrankenlosen Freiheit gewarnt. Die Geschichte der Moderne und die tägliche Erfahrung lehrten, dass Freiheit nur dann zur Errichtung einer menschlichen Zivilisation beitragen könne, wenn sie mit der Wahrheit versöhnt sei, sagte der Papst am Mittwoch.
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