Papst spricht im Mittagsgebet über bevorstehende Libanonreise

Dialog und Versöhnung

Papst Benedikt XVI. hat wenige Tage vor seiner Reise in den Libanon zu Dialog und Versöhnung im Nahen Osten aufgerufen. Sein Besuch solle im "Zeichen der Friedens" stehen. Er warnte vor einer Kapitulation angesichts von Gewalt und Spannungen. domradio.de überträgt die wichtigsten Stationen der Reise live.

Autor/in:
Johannes Schidelko
Papst in Castel Gandolfo (KNA)
Papst in Castel Gandolfo / ( KNA )

"Auch wenn eine Lösung der vielfältigen Probleme in der Region schwierig scheint, darf man nicht vor der Gewalt und vor den zermürbenden Spannung kapitulieren", so der Papst am Sonntag bei seinem Mittagsgebet in Castel Gandolfo.



Mit internationaler Hilfe zur Versöhnung

Der Einsatz für Dialog und Versöhnung muss nach seinen Worten "für alle Konfliktparteien Vorrang haben, und er muss von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden", forderte Benedikt XVI. weiter. Ein stabiler und dauerhaften Frieden im Nahen Osten sei von großer Bedeutung für die ganze Welt.



Er freue sich auf seine Reise, bei der er das libanesische Volk, dessen Regierung sowie die Christen des Landes und aus den Nachbarländern treffen werde, sagte der Papst in einem französischen Grußwort. Dabei habe er auch die oft dramatische Situation der Menschen in den verschiedenen Konflikten der Region vor Augen. "Ich verstehe die Angst vieler Menschen im Nahen Osten, die täglich verschiedensten Leiden ausgesetzt sind, die traurig und oft tödlich ihr Leben und das ihrer Familien belasten". Seine Sorge gelte auch den Menschen, die auf der Suche nach einem friedlichen Freiraum ihr Familien- und Berufsleben verließen und im Exil lebten.



Zum vierten Mal reist Papst Benedikt XVI. in den Vorderen Orient - den er damit mit Ausnahme Europas so häufig wie keine andere Weltregion besucht hat. Von Freitag bis Sonntag betritt er im Libanon erneut den Dauerkrisenherd Nahost - in fast gefährlicher Nähe zur syrischen Kampfzone.





Benedikt XVI. besucht das einzige arabische Land, das nicht muslimisch, sondern bireligiös geprägt ist: Hier machen die Christen - mit sinkender Tendenz - noch immer zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung aus und spielen in Staat und Politik eine gleichberechtigte Rolle.



Mit Spannung wird Rede zum Nahostkonfilkt erwartet

Sicher wird Benedikt XVI. in Beirut vor Politikern und Kirchenführern die globalen Fragen von Frieden und Gerechtigkeit in den ungelösten Nahost-Konflikten ansprechen. Die mit Spannung erwartete Rede am kommenden Samstag dürfte auch Appelle an Israelis und Palästinenser, an Syrer, Iraker und Libanesen enthalten. Aber hauptsächlich soll die 24. Auslandsreise des Papstes eine geistliche Mission werden. Er unterzeichnet und veröffentlicht dort das Schlussdokument der Nahost-Bischofssynode.



Wie schon 2010 bei dem Bischofstreffen im Vatikan will Benedikt XVI. mit seiner Reise und dem Dokument den Christen zwischen Kairo und Teheran Grundlagen für das Leben und das Überleben vorgeben. Er will ihnen Rückenstärkung vermitteln, ihr Selbstbewusstsein stärken, sie zu Solidarität gegenüber ihren Landsleuten anhalten - und sie zum Bleiben in ihrer Heimat ermutigen.



Das "Nachsynodale Dokument", das dem Vernehmen nach kürzer ist als die Schlusstexte früherer Synoden, versteht sich als Anleitung zur Glaubensvertiefung in allen Bereichen des kirchlichen Lebens: So soll die christliche Botschaft zu Aussöhnung und Frieden beitragen.



Schlussdokument der Nahost-Synode im Fokus

Zwei Wochen lang hatten die 150 Synodalen im Oktober 2010 die mitunter dramatische Situation in ihren Ländern analysiert. Ihre Empfehlungen fassten sie in 44 Thesen zusammen. Darin forderten sie mehr Religions- und Gewissensfreiheit für die Christen in der Region. Sie verlangten von allen kirchlichen Gruppen ein klareres Profil samt einer inneren Erneuerung: von Bischöfen, Priestern und Ordensleuten, von Laien, christlichen Familien und den neuen geistlichen Bewegungen. Die Synode nahm die kirchlichen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser in den Blick. Sie forderte mehr Dialog zwischen den katholischen Riten, in der Ökumene, mit Juden und Muslimen.



Die Synodalen nannten Empfehlungen, wie man die Abwanderung von Christen aus der Region eindämmen und die Zukunft der Kirchen in ihren Ursprungsregionen sichern könnte und wie die Diaspora-Gemeinden Nahost-Christen in Europa oder Amerika besser gefördert werden sollten. Dazu hieß es, man sollte den Einsatz verheirateter Priester von Ostkirchen prüfen, der bislang auf das Territorium des jeweiligen Patriarchates beschränkt ist. Neu war das Problem der Einwanderung lateinischer Christen - etwa indischer oder philippinischer Krankenschwestern oder Hausgehilfen, die in den Golfstaaten oder Saudi-Arabien die einheimischen Christen zahlenmäßig längst überholt haben.



Abzuwarten ist, ob der Papst in dem Dokument die Empfehlungen der Synodalen eins zu eins umsetzt und wie konkret er sich zum Kontakt mit den anderen Religionen, mit Judentum und Islam äußert. Die Synode hatte Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie und Christenfeindlichkeit entschieden verurteilt. Auch die Papstaussagen zum Friedensprozess in der Region wird man aufmerksam analysieren.



Vermutlich wird Benedikt XVI. - wie schon bei seiner Reise nach Israel oder Zypern - gemäß der vatikanischen Linie eine dauerhafte Friedenslösung für Israelis und Palästinenser auf Grundlage der internationalen Abkommen anmahnen. Er dürfte eine Zwei-Staaten-Lösung befürworten, die beiden Seiten ein Leben in Souveränität und Sicherheit garantiert. Und er wird vermutlich einen Status für Jerusalem fordern, der den Charakter der Heiligen Stadt bewahrt.



domradio.de überträgt die wichtigen Stationen der Reise live in Bild und Ton in Kooperation mit Radio Vatikan:



Am Freitag, 14. September 2012, von 16.50 Uhr bis 18.00: Der Papst besucht die melkitische St. Pauls-Basilika in Harissa, dort wird er die Apostolische Exhortation unterzeichnen. Unsere Kommentatorin ist Anne Preckel.



Am Samstag, 15. September 2012, von 10.05 Uhr bis 11.00 Uhr: Der Papst trifft Mitglieder der libanesischen Regierung sowie weitere Politiker im Präsidentenpalast in Baabda. Es folgt eine Begegnung mit Muslimen, an die sich eine Rede vor Politikern und Diplomaten anschließt. Unsere Kommentatorin ist Christine Seuß.



Am Samstag, 15. September 2012, von 16.50 Uhr bis 18.30 Uhr: Benedikt XVI. trifft Jugendliche beim maronitischen Patriarchatssitz in Bkerke. Unser Kommentator ist Mario Galgano.