Papst Leo XIV. würdigt Wohlfahrtsverbände

"Ein Baum der Barmherzigkeit"

Papst Leo XIV. hat die Mitglieder der "Misericordie-Gruppen" empfangen. Er würdigte ihre jahrhundertealte Geschichte und betonte die untrennbare Verbindung zwischen christlicher Spiritualität und konkreter Nächstenliebe.

Autor/in:
Mario Galgano
Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder des Nationalen Verbandes der italienischen Wohlfahrtsverbände / © Vatican Media/IPA via ZUMA Press (dpa)
Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder des Nationalen Verbandes der italienischen Wohlfahrtsverbände / © Vatican Media/IPA via ZUMA Press ( dpa )

Besonders hob das Kirchenoberhaupt die Innovationskraft der Bewegung hervor, die sich seit Jahrhunderten an die Nöte der jeweiligen Zeit anpasst: "Die Misericordie haben eine jahrhundertealte Geschichte, die ihre Wurzeln im Mittelalter hat", begann der Papst seine Ansprache. Er skizzierte drei Dimensionen, die das Leben dieser christlichen Laien prägen: Spiritualität, Nächstenliebe (Caritas) und die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Gegenwart.

Wer sind die Misericordie?

Die Misericordie (italienisch für „Barmherzigkeiten“) gehören zu den ältesten Freiwilligenorganisationen der Welt. Die erste Bruderschaft wurde 1244 in Florenz gegründet, um Kranke zu pflegen und Verstorbene würdig zu bestatten. Heute ist die Confederazione Nazionale delle Misericordie d'Italia ein riesiges Netzwerk von Freiwilligen, die in ganz Italien (und darüber hinaus) Rettungsdienste, Krankentransporte, soziale Hilfe und Katastrophenschutz leisten. Sie sind an ihren traditionellen Uniformen erkennbar und verbinden professionelle Hilfeleistung mit einem tiefen katholischen Glaubensfundament.

Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder des Nationalen Verbandes der italienischen Wohlfahrtsverbände / © Vatican Media/IPA via ZUMA Press (dpa)
Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder des Nationalen Verbandes der italienischen Wohlfahrtsverbände / © Vatican Media/IPA via ZUMA Press ( dpa )

Der Papst erinnerte an die Anfänge im Florenz des 13. Jahrhunderts, als Laien inmitten von Kriegen und inneren Unruhen beschlossen, einen Weg der Hingabe und des Dienstes einzuschlagen. "Der Same, aus dem dieser große Baum gewachsen ist, ist sakramentaler Natur – er gründet auf der Taufe", erklärte Leo XIV. Er mahnte die Mitglieder, diese Pflanze durch Gebet, Katechese und die Treue zu den Sakramenten, insbesondere der Sonntagsmesse, weiter zu pflegen. Nur so könnten sie "freudige Zeugen einer authentischen christlichen Existenz" sein.

Spiritualität als Kraftquelle

In der zweiten Dimension, der Caritas, betonte der Papst, dass Glaube niemals ein "körperloser Spiritualismus" sein dürfe. Er dankte den vielen Brüdern und Schwestern, die oft einen hohen persönlichen Preis für ihren Dienst zahlen. Die Misericordie seien überall dort präsent, wo Not herrscht: in Notfallsituationen, Kriegsgebieten und in der täglichen Solidarität.

"Ihr beschränkt euch nicht darauf, ‚etwas für jemanden zu tun‘, sondern ihr verpflichtet euch dazu, ‚mit jemandem zu gehen‘", lobte der Papst. Durch Tafeln, Sozialkaufhäuser und häusliche Pflege entstünden Beziehungen des Vertrauens, die weit über eine reine Dienstleistung hinausgingen.

Anpassungsfähigkeit an moderne Nöte

Abschließend hob Leo XIV. die Fähigkeit der Misericordie hervor, sich ständig zu aktualisieren. Ein Zeichen dafür seien die "Fratres" – Gruppen, die die Kultur der Blut- und Organspende fördern – sowie die "Piccola Misericordia" (Kleine Barmherzigkeit), in der bereits Kinder lernen, Caritas zu leben.

In einem bewegenden Moment segnete der Papst eine Jubiläums-Ikone, die nach einer langen Reise durch Italien nun den Menschen in der Ukraine übergeben wird. "Seid immer Boten der Hoffnung, der Liebe und des Friedens", rief er den Anwesenden zu, bevor er gemeinsam mit ihnen das "Vaterunser" betete und den apostolischen Segen erteilte.

Quelle:
VN