Papst Leo XIV. predigt Zuversicht nach Bürgerkrieg in Angola

"Hoffnung für die vielen jungen Menschen"

Der Bürgerkrieg in Angola dauerte 27 Jahre. Das an Öl und Diamanten reiche Land wurde teilweise zerstört und hunderttausende Menschen wurden getötet. Den Überlebenden und der neuen Generation will Papst Leo XIV. Zuversicht geben.

Papst Leo XIV. hält seine Hand an den Kopf eines Kleinkindes, das zum Papamobil hochgehalten wird, am 18. April 2026 auf einer Straße in Luanda (Angola). / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. hält seine Hand an den Kopf eines Kleinkindes, das zum Papamobil hochgehalten wird, am 18. April 2026 auf einer Straße in Luanda (Angola). / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Die Kulisse ist ungewöhnlich für eine Papstmesse: Ein riesiger Platz, der wie ein vorbereiteter Baugrund wirkt. Umgeben ist die Fläche, die bis zu 200.000 Menschen fassen soll, von mehrstöckigen Wohngebäuden und kleinen Reihenhäusern, die noch auf ihre Fertigstellung warten. Leo XIV. feiert am Sonntag seinen ersten großen Gottesdienst in Angola in Kilamba, einer mit Kapital und Ingenieuren aus der Volksrepublik China gebauten Retortenstadt.

Kilamba liegt rund 30 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt Luanda entfernt, und war aufgrund der hohen Wohnpreise lange eine Geisterstadt. Doch dann, mit dem Angebot an günstigeren Sozialwohnungen, stieg die Zahl insbesondere von jungen Bewohnern an. Das Durchschnittsalter in Angola liegt bei gut 16 Jahren.

100.000 feiern Messe mit dem Papst

Papst Leo XIV. rief die Menschen vor dieser ungewöhnlichen Kulisse in seiner Predigt dazu auf, gerade für die jungen Menschen des Landes eine Zukunft der Hoffnung aufzubauen. Alte Spaltungen müssten überwunden werden, Hass und Gewalt verschwinden, die Plage der Korruption durch eine Kultur der Gerechtigkeit und des Teilens geheilt werden. "Brüder und Schwestern, heute gilt es, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken und die Hoffnung der Zukunft zu gestalten. Fürchtet euch nicht davor!"

Viele Messen in Luandas Pfarreien waren an diesem Sonntag ausgefallen, damit die Katholiken an der Papstmesse teilnehmen konnten. Etwa 40 Prozent der rund 38 Millionen Einwohner des Landes sind katholisch getauft, gut 100.000 Menschen kamen zu der Messe.

An die katholische Kirche in Angola richtete Leo XIV. sich dann auch in seiner Predigt: "Die Geschichte eures Landes, die noch immer schweren Folgen, die ihr ertragen müsst, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme sowie die verschiedenen Formen der Armut verlangen nach einer Kirche, die es versteht, euch auf eurem Weg zu begleiten und auf den Schrei ihrer Kinder zu hören."

"Hass und Korruption überwinden"

Leo XIV. fuhr fort: "So können und wollen auch wir ein Land aufbauen, in dem die alten Spaltungen für immer überwunden sind, in dem Hass und Gewalt verschwinden, in dem die Plage der Korruption durch eine neue Kultur der Gerechtigkeit und des Teilens geheilt wird. Nur so wird eine Zukunft der Hoffnung möglich sein, vor allem für die vielen jungen Menschen, die sie verloren haben."

Willkommenszeremonie mit militärischen Ehren für Papst Leo XIV. am 18. April 2026 auf dem Flughafen von Luanda (Angola). Links neben ihm João Manuel Gonçalves Lourenço, Präsident von Angola. / © Vatican Media / Romano Siciliani (KNA)
Willkommenszeremonie mit militärischen Ehren für Papst Leo XIV. am 18. April 2026 auf dem Flughafen von Luanda (Angola). Links neben ihm João Manuel Gonçalves Lourenço, Präsident von Angola. / © Vatican Media / Romano Siciliani ( KNA )

Die Kirche müsse angesichts der schweren Folgen des Bürgerkriegs und der verbreiteten Armut dazu beitragen, die verlorene Hoffnung wiederzubeleben. Er führte aus: "Angola braucht Priester, Missionare, Ordensleute, Laien, die den Wunsch im Herzen tragen, ihr Leben zu teilen und zu verschenken, sich in gegenseitiger Liebe und Vergebung zu engagieren, Räume der Geschwisterlichkeit und des Friedens zu schaffen und Taten der Barmherzigkeit und Solidarität gegenüber den Bedürftigsten zu vollbringen."

Warnung vor religiösen Mischformen

Ausdrücklich warnte der Papst in seiner Predigt vor Mischformen zwischen dem Christentum und traditionellen afrikanischen Religionen. Diese gehörten zwar zu den Wurzeln der einheimischen Kultur. "Aber sie bergen gleichzeitig die Gefahr, magische und abergläubische Elemente zu vermischen, die dem geistlichen Weg nicht förderlich sind. Bleibt den Lehren der Kirche treu, vertraut euren Hirten und richtet euren Blick fest auf Jesus", so der Papst.

Große Armut in Angola

Bis 1975 war Angola eine Kolonie Portugals. Auf die Unabhängigkeit folgte ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, der erst 2002 nach mehreren erfolglosen Friedensmissionen beendet werden konnte.

Es war ein Stellvertreterkrieg in der Hochphase des Kalten Krieges. Die Sowjetunion und Kuba, die USA und Südafrika und andere Mächte mischten mit. Die Folgen bleiben spürbar. Das Land ist zwar reich an Rohstoffen wie Erdöl und Diamanten, trotzdem gilt die Hälfte der Einwohner als arm, lebt - statistisch gesehen - von weniger als 3,65 US-Dollar (3,10 Euro) pro Tag. Auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen belegt das Land Platz 148 von 193.

Der 2002 beendete Bürgerkrieg in Angola dauerte 27 Jahre und war mit 500.000 Toten und 2,5 Millionen Vertriebenen einer der schlimmsten in Afrika. Auf der einen Seite waren sozialistische Länder wie die Sowjetunion, die DDR und Kuba, auf der anderen Seite Südafrika, die USA und die Volksrepublik China darin verwickelt. Seine Folgen sind in dem an Öl und Diamanten reichen Land im Südwesten Afrikas bis heute gegenwärtig.

Dieser Artikel wurde am 19.04.2026, um 15 Uhr, aktualisiert.

Live: Papst Leo XIV. in Afrika

Am 13. April beginnt Leo XIV. seine bisher längste Auslandsreise als Papst und besucht vier Länder in zehn Tagen: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea. DOMRADIO.DE überträgt alle wichtigen Stationen live in Kooperation und mit deutschem Kommentar von Vatican News.

Montag, 13. April

Rom – Algier

Quelle:
KNA