Papst Leo XIV. hält an der Lehre fest, wonach in der Kirche alle Christen durch die Taufe die gleiche Würde haben.
Bei der allgemeinen Audienz für die Pilger auf dem Petersplatz erinnerte er am Mittwoch an entsprechende Ausführungen seines Vorgängers Franziskus (2013-2025) und zitierte ihn mit den Worten: "Das Volk Gottes betrachten bedeutet, daran zu erinnern, dass wir alle als Laien in die Kirche aufgenommen werden. Das erste Sakrament, durch das unsere Identität besiegelt wird, und auf das wir immer stolz sein sollten, ist die Taufe. Durch sie (...) bilden wir alle gemeinsam das heilige, gläubige Gottesvolk."
"Allgemeines Priestertum"
Damit schloss sich Leo XIV. der Auslegung der entsprechenden Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils an. Sie waren 1964 in dem Dokument "Lumen gentium" (Das Licht der Völker) für die gesamte katholische Kirche dogmatisch verbindlich festgelegt worden.
In seinen Ausführungen erklärte Leo XIV. auch sein Verständnis von der Lehre der Teilnahme der getauften, aber nicht geweihten Laien am allgemeinen Priestertum in der Kirche. Diese Frage war in der Zeit der Reformation einer der zentralen Streitpunkte zwischen reformierten und katholischen Theologen. Ihre Tragweite gehört auch beim Synodalen Weg in Deutschland zu den wichtigsten Themen.
Mit Blick auf die Lehre des letzten Konzils betonte der Papst nun: "Die Konzilsväter lehren, dass Jesus durch den neuen und ewigen Bund ein Reich von Priestern geschaffen hat. (...) Dieses allgemeine Priestertum der Gläubigen wird durch die Taufe verliehen". Die Heiligung durch die Sakramente der Taufe und der Firmung sei die Wurzel des gemeinsamen Auftrags und vereine die Träger der geweihten Dienstämter und der Laien zum Volk Gottes.
Der Konsens der Gläubigen
Zur Ausübung des gemeinsamen Priestertums gehöre auch die Verkündigung. Das zeige sich an den wichtigen Lehren vom gemeinsamen Glaubenssinn und vom Konsens der Gläubigen. Das Konzil habe klargemacht, dass nicht die einzelnen Gläubigen über die Glaubenslehre befinden, sondern die Gläubigen in ihrer Gesamtheit.
Diesen Glauben der Kirche als Gesamtheit bringe auch der Papst in seinen Lehrentscheidungen zum Ausdruck. Die Unfehlbarkeit sei eine Unfehlbarkeit der gesamten Kirche. "Die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, wozu natürlich auch die Hirten gehören, kann im Glauben nicht irren", so der Papst in seiner Ansprache.
Aus dieser Einheit, die das Lehramt der Kirche schützend bewahre, folge auch, dass alle Getauften aktiv an der Verkündigung der Botschaft mitwirken sollten. Dass der Heilige Geist auch in nicht geweihten Christen wirke, zeige sich nicht zuletzt an den vielen Ordensleuten in der Kirche.