Papst: Internet kann weltweite "Kultur des Respekts" fördern

Botschaft zum Welttag der Medien

Papst Benedikt XVI. sieht im Internet die Chance "für eine neue Kultur des Respekts, des Dialogs und der Freundschaft". Die neue Technologie biete ein enormes Potenzial und stelle "ein wahres Geschenk für die Menschheit" dar, schreibt das Kirchenoberhaupt in seiner Botschaft zum Welttag der Medien.

 © DOMRADIO (DR)
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Diese Vorteile müssten auch den Armen und sozial Benachteiligten zugutekommen. Zugleich warnt der Papst vor Internetsucht und ruft zum Kampf gegen Verhetzung und sexuelle Ausbeutung im Netz auf. Der 43. katholische Mediensonntag, der in den meisten Ländern am 24. Mai, in Deutschland hingegen am 13. September begangen wird, steht unter dem Motto «Neue Technologien, neue Verbindungen. Für eine Kultur des Respekts, des Dialogs, der Freundschaft». Dank des Internets könnten Familien über weite Entfernungen Kontakt halten und Forscher von verschiedenen Orten aus zusammenarbeiten, erläutert der Papst. Die neuen Technologien dienten auch dem Dialog zwischen Kulturen und Religionen und machten es möglich, «die Werte und Traditionen der anderen kennenzulernen». Digitale Netzwerke förderten über Grenzen hinweg das Engagement für Solidarität, Menschenrechte, das Leben und die Schöpfung. Sie seien imstande, «das Bewusstsein der Mitverantwortung für das Wohl aller» zu vertiefen, hebt der Papst hervor. Zugleich warnt Benedikt XVI. vor einem Missbrauch des Internets. «Wenn die neuen Technologien dem Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft dienen sollen, dürfen die Nutzer dieser Technologien keine Worte und Bilder austauschen, die für den Menschen entwürdigend sind», erläutert der Papst. Die Nutzer müssten alles ausschließen, «was Hass und Intoleranz nährt, die Schönheit und Intimität der menschlichen Sexualität herabsetzt oder die Schwachen und Schutzlosen ausbeutet». Durch soziale Netzwerke im Internet erlebe der Begriff Freundschaft eine neue Blüte, schreibt der Papst. Dieser dürfe jedoch nicht banalisiert werden. Benedikt XVI. warnt vor einer Sucht nach virtuellem Anschluss, die zum Abbruch wirklicher Sozialkontakte und in die Isolation führe. «Es wäre traurig, wenn unser Wunsch, Freundschaften online zu fördern und zu unterhalten, sich auf Kosten der Verfügbarkeit für die Familie, für die Nachbarn und für diejenigen, denen wir im Alltag am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Freizeit begegnen, verwirklichte.» Auch Stille und Nachdenklichkeit brauchten weiterhin ihren Raum, betont der Papst. Benedikt XVI. mahnt zur Unterscheidung unterschiedlicher Interessen im Internet: «Man darf sich nicht täuschen lassen von denen, die einfach Konsumenten auf einem Markt undifferenzierter Möglichkeiten suchen, wo die Entscheidung selbst das Gute ist, die Neuigkeit als Schönheit ausgegeben wird und die subjektive Erfahrung die Wahrheit ersetzt.» Durch unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Informationen dürfe sich die Kluft zwischen Arm und Reich nicht vertiefen. Es gelte «sicherzustellen, dass die digitale Welt, in der diese Netze eingerichtet werden können, eine wirklich für alle zugängliche Welt ist», schreibt der Papst. Junge Katholiken ruft Benedikt XVI. zu einer «Evangelisierung dieses 'digitalen Kontinents'» auf. Wie einst die Apostel sollten sie «das Zeugnis ihres Glaubens in die digitale Welt» tragen. Das Grundbedürfnis nach Kontakt und Freundschaft entspreche der Berufung des Menschen durch seinen Schöpfer, der ein «Gott der Kommunikation» sei, so der Papst.
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