Oxfam beklagt wachsende Ungleichheit in Deutschland und Europa

Mehr Reiche, mehr Arme

Die zunehmende Ungleichheit in Europa untergräbt laut der Entwicklungsorganisation Oxfam die Demokratie. Wie Oxfam in einem Bericht mitteilte, fehlte 2013 50 Millionen Menschen in Europa das Geld für Heizkosten und unvorhergesehene Ausgaben.

August: Kardinal Woelki und eine Roma-Frau in Tirana. Mit seinem Besuch auf dem Balkan wollte sich Kardinal Woelki über die aktuelle Lebenssituation der Bevölkerung und das Engagement der katholischen Kirche informieren.  (dpa)
August: Kardinal Woelki und eine Roma-Frau in Tirana. Mit seinem Besuch auf dem Balkan wollte sich Kardinal Woelki über die aktuelle Lebenssituation der Bevölkerung und das Engagement der katholischen Kirche informieren. / ( dpa )

Es geht um 7,5 Millionen Menschen mehr als 2009. Fast ein Viertel der europäischen Bevölkerung, insgesamt 123 Millionen Menschen, lebt an der Grenze zur relativen Armut oder darunter. Dem stünden 342 Milliardäre gegenüber, mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr 2009.

In Deutschland sei der Anteil der von Armut bedrohten Menschen zwischen 2005 und 2013 von zwölf Prozent auf 16 Prozent gewachsen, hieß es weiter. Im gleichen Zeitraum stieg demnach das Nettovermögen aller Milliardäre in Deutschland von 214 auf 296 Milliarden US-Dollar. Die Ungleichheit der nach Steuern verfügbaren Einkommen sei in Deutschland zwischen 2005 und 2013 besonders stark gestiegen. Zudem gehöre Deutschland neben Österreich und Tschechien zu den Ländern mit dem größten Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen.

Gründe für die wachsende Ungleichheit sind laut Oxfam der Einfluss von Reichen und Unternehmen auf die Politik, eine Sparpolitik zulasten der Armen in vielen EU-Staaten und ungerechte Steuersysteme, die Arbeit stärker belasteten als Kapital. Der Leiter der Kampagnenarbeit von Oxfam Deutschland, Jörn Kalinski, forderte mehr Geld für öffentliche Dienstleistungen, gerechtere Steuersysteme und Standards für faire Löhne und Arbeitsbedingungen. Die Ungleichheit sei in Europa "kein unabwendbares Schicksal".


Quelle:
KNA