Ostermärsche für Ende des Krieges

Forderung nach Abrüstung

Bundesweit haben sich auch am Sonntag einige Tausend Menschen den Ostermärschen der Friedensbewegung angeschlossen. Die regionalen Organisatoren berichteten von einer gestiegenen Beteiligung.

„Frieden für alle und für immer!“" steht auf einem großen Banner geschrieben, den Teilnehmer eines Ostermarsches in die Höhe heben. Der Ostermarsch findet für Frieden und gegen Krieg und Gewalt statt / © Christoph Schmidt (dpa)
„Frieden für alle und für immer!“" steht auf einem großen Banner geschrieben, den Teilnehmer eines Ostermarsches in die Höhe heben. Der Ostermarsch findet für Frieden und gegen Krieg und Gewalt statt / © Christoph Schmidt ( dpa )

Das erklärte der Sprecher des Ostermarschbüros, Willi van Ooyen, am Sonntag. "Dies zeigt die stabile Organisationsstruktur der Friedensbewegung, die im ganzen Land in der Lage ist, für Frieden und Abrüstung gegen die Militarisierung nach Innen und Außen Aktionen zu organisieren."

Demonstranten fordern Abrüstung und Ende des Krieges

In diesem Jahr stehen die Demonstrationen unter dem Motto "Die Waffen nieder! - Stoppt den Krieg in der Ukraine! Stoppt das 100-Milliarden-Euro-Aufrüstungsprogramm". Am Ostersonntag wurde der Ruhr-Ostermarsch von Essen über Wattenscheid nach Bochum fortgesetzt. Weitere Aktionen fanden unter anderem in Neuruppin, Frankfurt (Oder), Brück, Beckingen und Olfen statt. Von Gründonnerstag bis Ostermontag finden bundesweit über 110 Ostermarsch-Aktionen der Friedensbewegung statt, wie das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn mitteilte.

Die Friedensbewegung verweigere sich "dem Zwangsdenken von Kriegspropaganda, Kriegsdrohungen und Kriegen", so van Ooyen. "Sie hält fest an ihrer Vision von einer Welt ohne Atomwaffen, von einem entmilitarisierten Europa der Völkerverständigung und einem Deutschland, von dessen Boden kein Krieg, sondern Frieden ausgeht." Die deutsche Politik trage große Verantwortung für das Morden in aller Welt. "Wer ein wirklich friedliches Europa will, muss endlich abrüsten, statt weitere Milliarden für die Rüstung zu verpulvern."

Vizekanzler Habeck: Pazifismus im Moment "ein ferner Traum"

Zuvor hatte Vizekanzler Robert Habeck vor einem Missbrauch der Demonstrationen gewarnt. "Frieden kann und wird es nur geben, wenn Putin seinen Angriffskrieg stoppt", sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es sollte also bei den Ostermärschen deutlich werden, dass sie sich gegen den Krieg des russischen Präsidenten richten: "Es ist eindeutig, wer in diesem Krieg Angreifer ist und wer sich in schwerer Not verteidigt und wen wir unterstützen müssen - auch mit Waffen."

Pazifismus sei im Moment "ein ferner Traum", sagte Habeck. Putin bedrohe die Freiheit Europas. "Kriegsverbrechen sind offenkundig Teil seiner Kriegsführung. Wehrlose Zivilisten werden gezielt getötet, Kriegsgefangene hingerichtet, Familien ermordet, Krankenhäuser mit Raketen beschossen." Für ihn gelte, dass "Zuschauen die größere Schuld" sei.

Margot Käßmann warnt vor Eskalationspotential des Krieges

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, verteidigte bei NDR Info die kritische Haltung der Friedensbewegung. Mehr Waffen führen aus ihrer Sicht nicht zu einem Ende des Krieges.

Margot Käßmann / © Patrick Seeger (dpa)
Margot Käßmann / © Patrick Seeger ( dpa )

"Die größte Gefahr ist im Moment doch, dass dieser Konflikt so eskaliert, dass NATO-Staaten tatsächlich Kriegspartei werden und dann muss ich sagen, ist die Angst in der Tat berechtigt. Weil ein solcher Krieg doch wahrscheinlich zum Einsatz von Atomwaffen führen würde." Es sei nicht gerecht, Menschen, die sich seit Jahrzehnten für Frieden einsetzten, vorzuwerfen, sie stünden auf der Seite Russlands.

Bundestagspräsident Thierse kritisiert Motto "Frieden schaffen ohne Waffen"

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erklärte, das Motto "Frieden schaffen ohne Waffen" sei aktuell eine Arroganz gegenüber den Menschen in der Ukraine. "Pazifismus auf Kosten anderer ist zynisch", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Die Ukraine habe ein Recht auf Selbstverteidigung und darauf, dafür auch Unterstützung zu fordern. "Wir haben zu überlegen, in welch angemessener Form wir dieser Forderung nachkommen. Das ist nicht friedensfeindlich." Gleichzeitig bekannte sich der engagierte Katholik zur christlichen Friedensethik. Auch mehrere katholische Bischöfe betonten in ihrem Osterpredigten ein Recht auf Selbstverteidigung.

Wolfgang Thierse / © Christoph Soeder (dpa)
Wolfgang Thierse / © Christoph Soeder ( dpa )

Die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen würdigte die Ostermärsche als "wichtiges Zeichen für die Beendigung des Krieges". Wer dagegen immer mehr Waffen in das Kriegsgebiet liefern wolle, "setzt auf Eskalation und riskiert eine Kriegsbeteiligung. Dieser Wahnsinn muss verhindert werden."

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA
Mehr zum Thema