DOMRADIO.DE: Papst Leo unternimmt gerade seine bisher längste Reise als Papst. In elf Tagen besucht er vier verschiedene Länder in Afrika. Wie schätzen Sie seine Reise ein? Wie wichtig ist das?
Schwester Elisabeth Biela (Missionsschwester "Unserer Lieben Frau von Afrika, Weiße Schwestern e.V."): Für mich ist es sehr wichtig, dass unsere Päpste die Menschen vor Ort kennenlernen. Dass sie hinschauen, dass sie hinhören. Für mich war es immer unverzichtbar, auf die Melodie der Menschen zu hören – auf die Melodie ihrer Seele, ihren Schrei, ihre Freude und ihre Hoffnung. Deswegen ist es mir wichtiger, was unser lieber Papst hört.
DOMRADIO.DE: Papst Leo reist von Algerien über Kamerun und Angola nach Äquatorialguinea. Wie finden Sie die Auswahl?
Schwester Elisabeth: Ich hätte mir gewünscht, dass er ein Land wie Uganda besucht, in dem viele Flüchtlinge Schutz suchen. Damit er sieht, was in einem dortigen Flüchtlingslager geschieht. Aber Uganda scheint nicht direkt auf seiner Reiseroute zu liegen. Papst Leo hat sicher seine Gründe. Ansonsten denke ich, dass die Auswahl gelungen ist. Er reist von einem muslimischen Land in Länder, in denen Christen und Muslime leben und in denen es auch traditionelle Religionen gibt. Es ist eine gute Mischung, weil er hoffentlich die verschiedensten Facetten Afrikas und der Menschen sehen wird.
DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, dass das für alle Afrikaner ein bedeutendes Zeichen ist, auch wenn er nicht in Ihr Heimatland kommt? Gilt das pan-afrikanisch als Hoffnungszeichen?
Schwester Elisabeth: Jeder würde das sicher gerne erleben. So sind wir Menschen eben. Aber ich weiß, wie die Besuche der Päpste bislang angekommen sind. Ich habe selbst einige miterlebt. Die Menschen freuen sich: Da kommt jemand, der uns wertschätzt. Es kommt jemand, der einfach bei uns sein will, ohne uns Geld zu geben. Gerade für Menschen, die viel leiden, ist das ein Zeichen der Hoffnung. Auch, weil Papst Leo, nehme ich an, sehr viel über Hoffnung und Frieden in der Welt sprechen wird.
DOMRADIO.DE: Sie haben 30 Jahre in Westafrika, in Burkina Faso und in Ghana gelebt. Was wünschen Sie sich als Ordensfrau von Papst Leo in den kommenden Tagen?
Schwester Elisabeth: Ich wünsche mir, dass die Frage nach der Vielfalt der Kirche konkreter wird. Ich denke, das ist auch für Afrika wichtig. Und auch für uns in Deutschland ist es wichtig zu hören: "Mensch, Papst, hast du gesehen, dass Christen so verschieden sein können, den Glauben unterschiedlich zelebrieren und doch eins sind?" Papst Leo war ja selbst in der Weltkirche unterwegs, auch wenn Südamerika anders ist als Afrika. Ich hoffe für die Weltkirche, dass Papst Leo erkennt, dass Vielfalt die Kirche nicht spaltet, wie es manche Traditionalisten glauben. Vielfalt ist das Gegenteil davon und macht die Kirche wunderbar.
Das Interview führte Hilde Regeniter.