Unterstützung für verfolgte philippinische Benediktinerin

Ordensschwester oder Terroristin?

Regierungskritiker werden in den Philippinen offiziell als Terroristen "markiert". Von da an müssen sie um ihr Leben fürchten. So auch Schwester Mary John. Deshalb hat missio Aachen eine Petition für sie gestartet.

Schwester Mary John Mananzan / © Hartmut Schwarzbach / argus (missio)
Schwester Mary John Mananzan / © Hartmut Schwarzbach / argus ( missio )

DOMRADIO.DE: Schwester Mary John Mananzan steht auf der inoffiziellen Terrorliste der philippinischen Regierung - das bedeutet Lebensgefahr für die Benediktinerin, die sich auf den Phlippinen für Menschenrechte einsetzt. missio Aachen hat einen Aufruf an Außenminister Heiko Maas gestartet - und bittet die Deutsche Regierung um Hilfe.

Rodrigo Duterte, der Präsident der Philippinen ist bekannt für seinen autoritären Regierungsstil. Regierungskritiker, die mit dem "Red Tagging" als Terroristen "gebrandmarkt" sind, müssen um ihr Leben fürchten. Was hat es damit auf sich?

Johannes Seibel (Pressesprecher missio Aachen): "Red Tagging" ist eine Praxis in den Philippinen, um Regierungskritiker sozusagen zu markieren mit dem Vorwurf des Terrorismus oder der Zugehörigkeit zu einer kommunistischen Partei. Diese Vorwürfe werden über offizielle Regierungsstellen, manchmal auch von regierungsnahen Journalisten lanciert.

Wenn Personen mit diesem Label "Terrorist" oder "Kommunist" besetzt sind, kann es passieren, dass paramilitärische Gruppen oder andere Kommandos das als Aufforderung verstehen, diese Person einzuschüchtern oder zu töten. In den vergangenen Monaten sind auf diese Weise schon vier katholischer Priester ums Leben gekommen, weil auch katholische Ordensangehörige, Priester oder Laien oft auch gegen die Regierung Stellung beziehen oder Regierungsentscheidungen kritisieren.

DOMRADIO.DE: Schwester Mary John hat Menschenrechtsverletzungen in den Philippinen immer wieder angeprangert. Ist sie deshalb in das Fadenkreuz der Regierung geraten?

Seibel: Der Hintergrund ist ein neues Antiterrorgesetz, das Anfang Juli verabschiedet wurde. Dieses Antiterrorgesetz weitet wesentlich die Definition dessen aus, was als Terrorismus bezeichnet wird. Und es weitet auch die Möglichkeiten der Sicherheitskräfte aus, Verdächtige zu beobachten oder sie zu inhaftieren. Gegen dieses Gesetz hat sich auch in der katholischen Kirche Widerstand geregt. Unter anderen haben der Erzbischof von Manila und Schwester Mary John Mananzan eine Erklärung unterschrieben, die das Gesetz kritisiert. Das ist der Hintergrund, warum Schwester Mary John ins Visier der Regierung Duterte geraten ist.

Nach der Mitzeichnung dieser Erklärung hat eine Beamtin des Informationsministeriums auf der Facebook-Seite Schwester Mananzan als Terroristin bezeichnet. Damit ist Schwester Mary John "getaggt" beziehungsweise "markiert".  Dieses "Red Tagging" bedeutet Lebensgefahr, deshalb haben wir gesagt, wir müssen unbedingt darüber informieren und Solidarität mit Schwester Mary John organisieren.

DOMRADIO.DE: missio hat einen Aufruf an Außenminister Heiko Maas gestartet, bei dem jeder und jede online mitzeichnen kann. Können Sie uns kurz erklären, worum es in der Petition geht?

Seibel: missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener hat an Heiko Maas geschrieben. In dem Brief und dem Aufruf, erklärt er die Situation auf den Philippinen und bittet die Bundesregierung, sich bei der philippinischen Regierung dafür einzusetzen, dass das Leben von Schwester Mary John geschützt wird, der Vorwurf des Terrorismus ihr gegenüber zurückgenommen und auch die Praxis der außergewöhnlichen Tötung von Regierungskritikern und -kritikerInnen eingestellt wird. Jeder kann diesen Brief auch über missio-hilft.de an Außenminister Heiko Maas schicken und so Schwester Mary John unterstützen.

Das Interview führte Michelle Olion.

Johannes Seibel, missio-Pressesprecher / © privat
Johannes Seibel, missio-Pressesprecher / © privat
Quelle:
DR