Ordensoberin Ganz hofft auf neues Konzil nach der Weltsynode

"Der Geist ist aus der Flasche"

Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, hofft, dass die vom Papst angestoßene Weltsynode "letztlich eine Vorstufe ist zu einem dritten Vatikanischen Konzil". Sie setzt auf mutige Reformen.

Sr. Katharina Ganz / © Katharina Gebauer (ak)
Sr. Katharina Ganz / © Katharina Gebauer ( ak )

Im Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag) sagte sie weiter: "Vielleicht erleben wir das noch innerhalb der nächsten zehn Jahre. Die Tür ist vielleicht gerade noch geschlossen, aber hoffentlich nicht abgeschlossen."

Zunächst aber hoffe sie auf mutige Reformschritte bei der nächsten Vollversammlung des deutschen Reformprojekts Synodaler Weg ab Donnerstag in Frankfurt. Daran änderten auch die kritischen Einwände aus dem Vatikan und aus anderen Bischofskonferenzen nichts, betonte die Ordensfrau: "Es gab ja schon viele Versuche, den Synodalen Weg zu boykottieren, schlechtzureden, zu diskreditieren. Doch die Synodalversammlung hat sich immer wieder sehr konstruktiv und geschlossen gezeigt, an Sachthemen orientiert, als geistliches und theologisch fundiertes Unterscheidungsgremium."

Unberechtigte Ängste

Diese Kraft sei aus ihrer Sicht nicht mehr zurückzudrehen, fügte sie hinzu. Sie glaube an die verändernde Kraft des eingeschlagenen Weges: "Diesen synodalen Geist kriegen sie nicht mehr in die Flasche. Der ist jetzt da und das kann man nicht mehr mit einem Basta aus Rom beenden."

Blick in die Konzilsaula während des Zweiten Vatikanischen Konzils / © Ernst Herb (KNA)
Blick in die Konzilsaula während des Zweiten Vatikanischen Konzils / © Ernst Herb ( KNA )

Dass es aus dem Vatikan heiße, der deutsche Synodale Weg sei nicht befugt, die Lehre der Kirche zu ändern, solle womöglich Bischöfe verunsichern, vermutete Schwester Katharina weiter: "Dabei werden ja nur Dinge gesagt, die niemand beim Synodalen Weg je angezweifelt hat, die ja sogar in der Satzung stehen."

Der Synodale Weg ändere nicht die Lehre der Kirche, niemand habe das Lehramt des Papstes und des Bischofskollegiums angezweifelt: "Alles, was die Lehre der Kirche ändert, soll über die Bischöfe als Votum an den Papst gegeben werden. Es werden also Ängste geschürt, die überhaupt nicht berechtigt sind."

Hoffnung auf Erneuerungsprozess

Sie hoffe, dass viele Bischöfe sich nicht einschüchtern ließen, sondern dass ihnen tatsächlich am Erneuerungsprozess der Kirche gelegen sei: "Bei dieser Synodalversammlung kommt es nun zum Schwur."

Die meisten Entscheidungen, die die Synodalversammlung treffe, müssten gar nicht vom Papst abgesegnet werden, fügte die Ordensfrau hinzu: "Es liegt einzig und allein an den deutschen Bischöfen, die getroffenen Beschlüsse in den 27 Diözesen in Kraft zu setzen. Für die meisten Anliegen muss weder die Lehre noch das Kirchenrecht geändert werden. Das gilt zum Beispiel für die Auswahl geeigneter Kandidaten für das Bischofsamt."

Weltsynode 2021-2024

Mit der Weltsynode hat Papst Franziskus in der katholischen Kirche etwas Neues geschaffen. Erstmals werden bei einer Synode Nicht-Bischöfe und Nicht-Priester im großen Umfang ein Stimmrecht haben, darunter auch Frauen.

Inhaltlich soll es vor allem um neue Wege der Mitwirkung der kirchlichen Basis bei wichtigen Entscheidungen in der katholischen Kirche gehen. Obwohl erstmals auch nicht geweihte Männer und Frauen ein Stimmrecht haben, handelt es sich kirchenrechtlich um eine Bischofssynode.

Eröffnung der Weltsynode im Oktober 2021 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Eröffnung der Weltsynode im Oktober 2021 / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA