DOMRADIO.DE: Am Donnerstag nehmen sie wieder an der Mahnwache vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank in Frankfurt teil. Was genau sind Ihre Kritikpunkte?
Schwester Klarissa Watermann (Initiative Ordensleute für den Frieden): Dass die Wirtschaft, die zum Beispiel von der Deutschen Bank betrieben wird, dass die eigentlich nicht zum Wohl der Menschen und dieser Erde führt, die wir brauchen. Sondern, dass diese Wirtschaft, der Kapitalismus, immer mehr Ausbeutung bedeutet und die Menschen ins Unheil führt. Wir brauchen dringend eine Wende.
DOMRADIO.DE: Das ist also nicht Ihre erste Mahnwache. Wie sind bisher die Reaktionen darauf?
Schwester Klarissa: Seit 28 Jahren stehen wir an jedem ersten Donnerstag im Monat vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank und kritisieren: Diese Wirtschaft geht über Leichen. Am Anfang haben die Menschen gelacht und uns ein bisschen für dumm gehalten, aber von immer mehr bekommen wir inzwischen Zustimmung. Natürlich gehen an uns die stolzen Banker vorbei, die sich noch in dem System wohlfühlen, weil sie davon profitieren und in dem System privilegiert sind.
Aber die normale Bevölkerung spürt längst, dass es ihr schlecht geht. Dass Menschen mit wirklich hohem Arbeitswillen nicht mehr von ihrer Arbeit leben können. Sie können ihre Wohnung und ihren Lebensunterhalt in einer Stadt wie Frankfurt nicht mehr bezahlen. Wir als Ordensleute sagen: Das passt nicht zur Vorstellung des Reiches Gottes. Wir wollen solidarisch sein und für einander sorgen, dass nicht einige reich und viele Menschen arm werden.
DOMRADIO.DE: Wie ist das damals alles entstanden mit dieser Mahnwache?
Schwester Klarissa: Gegründet haben sich die Ordensleute für den Frieden vor 35 Jahren. Damals ging es in Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses besonders um Rüstungsfragen. Da waren Menschen, die gesagt haben, auch wir in den Orden dürfen nicht nur zuhause sitzen und beten. Wir gehen mit den anderen Menschen auf die Straße und zeigen unser Gesicht bei Demonstrationen. Irgendwann nach der Wende hat sich dann der Fokus verlagert und wir haben dann das Thema "Kirche, Wirtschaft und Reich Gottes" in den Mittelpunkt gerückt. Als Ort des Protestes haben wir die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt ausgesucht. Um auszudrücken: Wir sind mit Gott im Bund und - das ist eher so ein prophetisches Zeichen - wir stehen hier an einem Ort, wo einfach eine Menge Wirtschaft gemacht wird, die nicht zum Wohl der Menschen ist und nicht im Sinne Gottes.
Inzwischen sind nicht mehr viele Ordensleute dabei, da die meisten darüber alt geworden sind und die jüngeren Ordensleute benutzen andere Zeichen des Protestes. Aber es sind viele Freunde dazugekommen, wie die Aschaffenburger Friedenstrommler und Menschen, die aus linken Gruppen und Gewerkschaften mit uns dort zusammen stehen. Wenn wir vor der Deutschen Bank trommeln, habe ich immer das Gefühl, dass wir irgendwas erreichen können, dass dieses System des Kapitalismus einstürzt. Damit wirklich eine andere Wirtschaft der Solidarität entsteht.
Das Interview führte Silvia Ochlast.