Die OECD meldet für 2025 einen historischen Rückgang der globalen Entwicklungsgelder. Die von den Industrieländern bereitgestellten Mittel sanken im Vergleich zum Vorjahr um 23,1 Prozent auf 174,3 Milliarden US-Dollar, wie die OECD am Donnerstag mitteilte.
Sie seien damit so stark zurückgegangen wie nie zuvor und lägen auf dem Niveau von vor rund zehn Jahren, als die Vereinten Nationen die Agenda 2030 beschlossen haben. Deutschland stieg nach absoluten Zahlen trotz deutlicher Kürzungen erstmals zum größten Geberland auf.
So stellte die Bundesrepublik laut den vorläufigen OECD-Daten 29,1 Milliarden US-Dollar bereit und lag damit knapp vor den USA (29,0 Milliarden), gefolgt von Großbritannien (17,2 Milliarden) und Japan (16,2 Milliarden). Das Aufrücken an die Spitze ist vor allem auf den massiven Rückzug der USA zurückzuführen:
Deren Leistungen brachen um 56,9 Prozent ein und verursachten rund drei Viertel des globalen Rückgangs. Deutschland kürzte 2025 den inflationsbereinigten Daten zufolge die öffentliche Entwicklungshilfe um 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nur vier Länder erreichen vereinbarte Quote
Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen eines Landes, kurz ODA-Quote ("Official Development Assistance"), sank 2025 auf durchschnittlich 0,26 Prozent. Das von den Vereinten Nationen gesetzte Ziel, mindestens 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Auslandshilfe einzusetzen, erreichten nur vier Länder, nämlich Dänemark, Luxemburg, Norwegen und Schweden. In Deutschland fiel die ODA-Quote von 0,68 auf 0,56 Prozent.
Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums entfielen vergangenes Jahr rund 17 Prozent der deutschen Leistungen auf die Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten im Inland. Ohne diese Ausgaben läge die ODA-Quote bei lediglich 0,46 Prozent. Gemessen an der Wirtschaftsleistung belegt Deutschland damit international Rang sechs.
"Nicht im deutschen Sicherheitsinteresse"
Scharfe Kritik an den Kürzungen kam von Hilfswerken. "Die Welt steht in Flammen und Deutschland kürzt weiter", sagte Oxfam-Vorständin Charlotte Becker. Die Einschnitte hätten lebensbedrohliche Folgen: Sie gefährdeten Menschenleben, Programme zum Schutz von Mädchen und Frauen sowie die Klimafinanzierung für arme Länder.
Kirchliche Werke wie "Brot für die Welt", Misereor, Caritas International und Diakonie Katastrophenhilfe warnten von einer "gefährlichen Abwärtsspirale". Misereor-Hauptgeschäftsführer Andreas Frick erklärte, die Mittel würden gerade in Krisenzeiten dringend gebraucht. Caritas-Vorstand Oliver Müller betonte, dass Einsparungen die Verwundbarsten träfen und Instabilität verstärkten.
Sicherheitsexperte Philipp Rotmann vom Berliner "Global Public Policy Institute" bezeichnete die Kürzungen als "nicht im deutschen Sicherheitsinteresse". Die USA hinterließen durch ihren Rückzug eine "tödliche Lücke", China und Russland profitierten geopolitisch.
OECD appelliert an Geberländer
OECD-Generalsekretär Mathias Cormann mahnte, angesichts wachsender Krisen müsse die Wirkung der Mittel maximiert werden. Endgültige Zahlen für 2025 sollen im Dezember vorliegen.
Für das laufende Jahr prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf Basis einer Umfrage bereits einen weiteren Rückgang der globalen Entwicklungshilfe um 5,8 Prozent.