Oder: Pluspunkte für den Nachbarn

Heiteres Punktesammeln

Es klopft. Der Nachbar steht vor der Tür. Sorge im Gesicht, Hund an der Hand. Ich weiß, was das bedeutet. Minuspunkte.

Jella reißt aus / © Krumpen (ak)
Jella reißt aus / © Krumpen ( ak )

Dabei haben wir uns so bemüht, keinen Minuspunkt zu bekommen. Minuspunkte für unsere Familie vergibt der nette Nachbar immer dann, wenn  unser Chaos aus dem Haus auf die Straße schwappt. Diese Gefahr ist jetzt besonders groß. Denn:

Mein Mann ist nicht da. Er ist in der Klinik. Zu sagen, er habe Rücken, wäre die Untertreibung des Jahres. Wochenlang schlich er wie der schiefe Turm vom Niederrhein, am Stock. Den Befund erspar ich Ihnen, alles was ein Rücken haben kann, hat er. In der Klinik staunen sie, dass er das alles ohne Morphium gemacht hat. Das bekommt er jetzt und langsam scheint es besser zu werden. Aber dauern wird es wohl die ein- oder andere Woche. Solange fehlt er uns an allen Ecken und Enden.

So kommt der  Nachbar ins Spiel. Der bekommt schon im normalen Leben viel geboten: Hektische Szenen morgens, die Kinder haben die Schuhe in der Hand, die Jacke zwischen den Zähnen, der Motor läuft und Papa brüllt: "Abfahrt!" über die Auffahrt. Vom Logenplatz in seiner Küche schaut der Nachbar dem Treiben höchst amüsiert zu. Aber wie gut, dass er da immer ist. Weil, auch ohne Rücken ist mein Mann manchmal unterwegs. Und ich steh auch nicht immer sofort Gewehr bei Fuß. Unser Chaos interessiert das nicht.

Schlüssel vergessen? Der Nachbar ist da. Sommerunwetter, der Große will den Weg zum Handballtraining aber lieber doch nicht schwimmen? Der Nachbar ist da. Die Große kommt am Provinzmöchtegernbahnhof im Nachbarort vom Konzert zurück? Der Nachbar ist da. Wie wunderbar.

Kein Wunder, dass der Nachbar argwöhnt: Vater weg, Chaos total. Aber nein, dieses Mal werden wir uns straff organisieren! Wollen wir doch erst einmal sehen! Eine Woche, kein Chaos, alles alleine geschafft. Auf der Straße grüße ich den Nachbarn mit breiter Brust. Fein, wir bekämen Pluspunkte, sagt der, überaus skeptisch. Zwei Wochen alles gut gegangen. Mir klebt das Grinsen im Gesicht.

Da klopft es an der Tür. Der Nachbar steht da. Sorge im Gesicht, unseren Hund an der Hand. Die Kinder haben das Gartentörchen aufgelassen. Der Hund könnte Matsche sein. Nicht auszudenken. Dankbar-zerknirscht nehme ich den Ausreißer samt verdienten Minuspunkten in Empfang.

Wird Zeit, dass der Nachbar Pluspunkte bekommt. Von uns. Und ein Riesendankeschön!