Oberster Schweizer Bischof sieht Kontinentaltreffen positiv

"Die Begegnung ist das Allerwichtigste"

Für die zweite Phase der Weltsynode kamen Bischöfe und Laien aus 40 Ländern zum ersten europäischen Kontinentaltreffen zusammen. An diesem Sonntag ist es zu Ende gegangen. Wie schaut man außerhalb Deutschlands auf die Reformbemühungen?

Teilnehmer während einer Working Session der Europa-Etappe der Weltsynode am 7. Februar 2023 in Prag. Vorne rechts das Logo der Weltsynode auf einem Display. / © Björn Steinz (KNA)
Teilnehmer während einer Working Session der Europa-Etappe der Weltsynode am 7. Februar 2023 in Prag. Vorne rechts das Logo der Weltsynode auf einem Display. / © Björn Steinz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Ein vorläufiges Schlussdokument des Kontinentaltreffens wurde diese Woche beraten und fertiggestellt. Sie haben das Dokument aber schon kritisiert. Die Konflikte zwischen Konservativen und Progressiven würden nicht klar genug benannt werden. Wird der Konflikt schöngeredet?

Bischof Felix Gmür im Portrait (SBK)
Bischof Felix Gmür im Portrait / ( SBK )

Mgr. DDr. Felix Gmür (Bischof von Basel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz): Von Konflikt kann man nicht reden. Das ist das Erste. Das Zweite ist: Ich habe nicht das Dokument kritisiert, sondern nur seine Schlussfolgerungen, also die letzten zwei Seiten. Da habe ich bemängelt, dass die verschiedenen Tendenzen viel zu wenig zum Ausdruck kommen. Das wurde mittlerweile korrigiert und ist meines Erachtens jetzt gut zu Papier gebracht.

DOMRADIO.DE: Ein großes Diskussionsthema war die Frage der Frauenweihe. Bei dem Thema sprechen Sie sich für eine dezentrale Lösung aus. Wie ist so etwas möglich?

Gmür: Frauenweihe war nur ein Thema zur eigentlichen Frage: Gibt es eine Rolle der Frau in der Kirche? Und wenn ja, welche ist diese Rolle? Das ist in der Tat von Kultur zu Kultur, von Land zu Land sehr unterschiedlich. Deswegen habe ich dafür plädiert, darüber nachzudenken, ob es für diese Frage dezentrale Lösungen geben kann, zum Beispiel auf Ebene der Länder, der Sprachregionen oder zusammenhängender Kulturen wie zum Beispiel Westeuropa oder Südeuropa oder Nordeuropa.

DOMRADIO.DE: In der Schweiz haben sie mit dem dualen System Erfahrungen mit kirchlichen Sonderwegen. Kann sich der Rest der katholischen Welt da etwas abgucken?

Gmür: Das duale System gibt es nicht überall in der Schweiz. In den großen Diözesen, vor allem in der Deutschschweiz, funktioniert das System aber in der Regel gut. Immer unter der Voraussetzung, dass die Menschen miteinander wollen, dass sie also einen Weg zusammen gehen wollen und dass sie gemeinsame Konsenslösungen suchen. Da haben wir tatsächlich gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht nicht genau dieses System, aber über eine Art der Mitwirkung nachzudenken, finde ich für andere Länder sehr hilfreich.

Felix Gmür, Bischof von Basel und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz

"Da gab es die Übereinkunft, dass alle bei diesem synodalen Projekt weitermarschieren wollen."

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie die Stimmung in Prag wahrgenommen? Wollen die Katholikinnen und Katholiken miteinander?

Gmür: Ich habe wahrgenommen – das freut mich wirklich –, dass wir alle zusammengeblieben sind. Es ist niemand, um es mal krass zu sagen, ausgerastet und davongelaufen, sondern alle sind dageblieben. Im Anschluss hatten wir Bischöfe noch eineinhalb Tage unter uns. Da gab es die Übereinkunft, dass alle bei diesem synodalen Projekt weitermarschieren wollen.

Das ist schon ein erstes gutes großes Resultat, weil man am Anfang befürchtete, die einen wollen gar nichts ändern, die andern wollen da bleiben, wo sie sind, und die dritten wollen in großen Schritten die Kirche verändern. Aber das ist nicht der Fall.

Weltsynode 2021-2024

Mit der Weltsynode hat Papst Franziskus in der katholischen Kirche etwas Neues geschaffen. Erstmals werden bei einer Synode Nicht-Bischöfe und Nicht-Priester im großen Umfang ein Stimmrecht haben, darunter auch Frauen.

Inhaltlich soll es vor allem um neue Wege der Mitwirkung der kirchlichen Basis bei wichtigen Entscheidungen in der katholischen Kirche gehen. Obwohl erstmals auch nicht geweihte Männer und Frauen ein Stimmrecht haben, handelt es sich kirchenrechtlich um eine Bischofssynode.

Eröffnung der Weltsynode im Oktober 2021 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Eröffnung der Weltsynode im Oktober 2021 / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie blicken Sie auf die Rolle der deutschen Delegation in Prag und größer gesprochen beim synodalen Prozess?

Gmür: Ich habe nicht wahrgenommen, dass die Deutschen komisch angeschaut worden wären, sondern sie wurden ernst genommen. Es wurde ihnen zugehört und es wurde versucht zu verstehen, was sie meinen, wenn sie etwas sagen. Das gilt für viele andere Länder auch. Die Begegnung ist wohl das Allerwichtigste an solch einer Veranstaltung, weil die Begegnung die Wahrnehmung verändern kann. Das ist viel besser als in Büchern oder Artikeln.

DOMRADIO.DE: In Prag kam die Idee auf, ein dauerhaftes synodales Gremium auf europäischer Ebene einzurichten. Das erinnert an die Idee des synodalen Rates in Deutschland, dem der Vatikan vor Kurzem das Stoppschild gezeigt hat. Wie fänden Sie solch ein Gremium?

Gmür: Was das für ein Gremium oder Gremien sein könnten, war überhaupt nicht klar. Es war nur klar, dass die Bischöfe in ihre Länder und Bistümer zurückkehren und schauen, ob sie synodalere Strukturen errichten oder voranbringen können.

Ob das etwas mit dem synodalen Rat, wie er in Deutschland geplant ist, zu tun hat, kann ich nicht sagen. Das, was ich vom synodalen Rat weiß, lässt mich aber zu dem Schluss kommen, dass das so für die Schweiz nicht funktionieren würde.

Das heißt jedes Land muss diese synodaleren Strukturen auf seine eigene Art umsetzen. Die Frage muss sein: Wie kommen wir zu einer guten Mitbestimmung aller Gläubigen? Seien es Frauen oder Männer, Priester oder Laien, verantwortliche Personen oder solche, die keine besondere Verantwortung tragen. Und zu klären ist auch, wer am Schluss entscheidet, wenn es etwas zu entscheiden gibt.

Das Interview führte Katharina Geiger.

Quelle:
DR