NRW-Integrations-Staatssekretärin begrüßt liberale Moscheegemeinden

"Vielfalt des Islams widerspiegeln"

Liberale Moscheegemeinden in Nordrhein-Westfalen befürwortet auch Serap Güler. Warum die Staatssekretärin für Integration diese aber nicht finanziell unterstützen will, erklärt sie gegenüber domradio.de.

Gläubige beten in der neu eröffneten, liberalen Moschee in Berlin / © Maurizio Gambarini (dpa)
Gläubige beten in der neu eröffneten, liberalen Moschee in Berlin / © Maurizio Gambarini ( dpa )

domradio.de: Was ist eigentlich eine liberale Moschee? Wofür steht das?

Serap Güler (Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen): Das ist zunächst eine Selbstdefinition der Moscheegemeinde. Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit nennt sich beispielsweise selbst liberal. Eine liberale Moschee also, wo beispielsweise Männer und Frauen gemeinsam nebeneinander beten können, wo der Zugang für Homosexuelle nicht in Frage gestellt wird oder wo Homosexuelle sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen können. Oder aber auch, wo der Imam eine weibliche Person sein kann.

domradio.de: Das heißt, es ist ein Ziel, die Vielfalt des Islams deutlich zu machen?

Güler: Genau. So empfinde ich das. Mit diesen Projekten möchte man eben ein Stück weit die Vielfalt widerspiegeln, die es im Islam sehr wohl gibt.

domradio.de: Jetzt wollen sie die Initiativen für die Gründung solch liberaler Moscheen in Nordrhein-Westfalen unterstützen. Gibt es Erhebungen in der Bevölkerung von NRW dazu? Wollen die Menschen das?

Güler: Nein, es gibt keine validen Erhebungen. Wenn Sie sich mit der muslimischen Community unterhalten, dann ist da die Meinung durchaus gespalten. Die einen sagen, dass ist theologisch eigentlich nicht im Sinne des Islams. Die anderen sagen, dass in Mekka, der höchsten, religiösen islamischen Stätte, Männer und Frauen ja auch gemeinsam nebeneinander beten können. Dort wird das überhaupt nicht in Frage gestellt. Wieso sollte es dann in einer Moscheegemeinde nicht möglich sein. Also, die Meinungen sind da durchaus sehr, sehr unterschiedlich.

domradio.de: Und es bietet ja auch eine Alternative, oder?

Güler: Es gibt eben auch jene, die persönlich nicht in so eine Gemeinde gehen würden. Die aber das Angebot gut finden, weil es eben eine Perspektive für Menschen bietet, die nicht in eine eher konservativ geprägte Moscheegemeinde gehen würden.

domradio.de: Bräuchte es für die Einrichtung solcher Moscheen nicht auch einen Ansprechpartner, mit dem man die Ausrichtung erörtern könnte? Wer wäre das auf muslimischer Seite?

Güler: Das könnte zum Beispiel der Liberal-Islamische Bund (LIB e.V.) sein, der das Liberale ja schon im Namen trägt. Den könnte ich mir in NRW durchaus als Ansprechpartner vorstellen. Aber das muss natürlich innerhalb der muslimischen Gemeinde passieren. Das kann das Land nicht befördern, vor allem nicht finanziell. Aber wir sagen, dass wir die muslimische Vielfalt, die durch solche Initiativen sichtbar wird und die auch in unserem Bundesland gelebt wird, gut finden. Das ist die politische Unterstützung, die wir bieten können.

domradio.de: Als Rechtsform hat die Gründerin der ersten liberalen Moschee in Berlin eine gemeinnützige GmbH gewählt, die aus Spenden- und Eigenmitteln finanziert wurde. In NRW müssten sich solche Moscheen auch selbst finanzieren?

Güler: Genau. Die Landesregierung unterstützt ja auch keine anderen Moscheegemeinden. Es ist auch nicht die Aufgabe einer Landesregierung einzelne Moscheegemeinden finanziell zu unterstützen. Man kann das ideell unterstützen, aber eine finanzielle Unterstützung ist da von unserer Seite nicht geplant. Mir ist es als Nordrhein-Westfälin aber auch wichtig zu sagen, dass die Moschee in Berlin natürlich ein wichtiges Zeichen ist, aber es ist nicht die erste ihrer Art. Es gibt durchaus auch liberale Gemeinden in NRW, zum Beispiel in Köln oder in Düsseldorf.

domradio.de: Wenn wir trotzdem noch mal ganz kurz nach Berlin schauen, denn da ist die liberale Moscheegemeinde in einem christlichen Gotteshaus angesiedelt. Gibt es auch Ideen für Kooperationen in NRW?

Güler: Nicht mit dieser konkreten Moscheegemeinde. Soweit mir das bekannt ist. Ich stehe auch in Verbindung mit Frau Ateş, der Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Wenn Frau Ateş da konkrete Vorschläge hat, kann sie jederzeit an unsere Tür klopfen. Das weiß sie. Aber wir haben auch schon länger ähnliche Initiativen in NRW, die vielleicht jetzt durch die mediale Aufmerksamkeit auch zur Geltung kommen, was ich mir wünsche.

domradio.de: Ähnliche Initiativen gibt es. Wann haben wir die erste medial wirksame liberale Moschee in NRW?

Güler: Ich würde mir einfach wünschen, auch als Muslimin, dass es bald der Fall ist. Damit deutlich wird, dass es nicht nur eine Strömung im Islam gibt. Es gibt nicht nur den konservativen Islam oder auch den Islam, der gerne mit Gewalt in Verbindung gebracht wird. Sondern eben auch offene Gemeinden, in denen kein Unterschied gemacht wird, ob ich als Frau mit oder ohne Kopftuch neben einem Mann mein Gebet verrichte.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.


Serap Güler / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Serap Güler / © Rolf Vennenbernd ( dpa )
Quelle:
DR