Buchautor: Verfehlungen der Kirchen in Irland weiter aufarbeiten

Noch immer gesperrte Archive

Die Aufarbeitung von Verfehlungen der katholischen Kirche in Irland steht nach den Worten des Journalisten Derek Scally erst am Anfang. Viele ehemalige Bewohnerinnen von früheren Mutter-Kind-Heimen fühlen sich allein gelassen.

Grabsteine auf einem Friedhof in Irland / © gabo (shutterstock)
Grabsteine auf einem Friedhof in Irland / © gabo ( shutterstock )

Das scheibt Scally in einem Gastbeitrag für die "Zeit" (Donnerstag). Zwar hätten Kirchenvertreter und Regierung inzwischen um Entschuldigung gebeten. Aber seit Jahren bemühten sich Frauen "gegenüber dem angeblich reuigen irischen Staat um Entschädigung oder um Zugang zu noch immer gesperrten Archiven, in denen ihre Adoptions- und Geburtsurkunden liegen".

In der vergangenen Woche wurde der Abschlussbericht einer 2015 von der irischen Regierung eingesetzten Untersuchungskommission veröffentlicht. Demnach starben in 18 untersuchten katholischen Einrichtungen für unverheiratete Frauen im Zeitraum zwischen 1922 bis 1998 insgesamt rund 9.000 Kinder.

Ein Großteil der Babys wurde nicht älter als ein Jahr. Todesursachen waren unter anderem Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Entzündungen - die Sterblichkeitsrate in den Heimen war mehr als doppelt so hoch wie außerhalb.

Uneheliche Kinder galten in Irland als Schande 

Insgesamt lebten im untersuchten Zeitraum 56.000 Frauen und 57.000 uneheliche Kinder in den Einrichtungen. Meist handelte es sich um unverheiratete Schwangere, die dort ihre Kinder zur Welt bringen sollten. Uneheliche Kinder galten im traditionell katholischen Irland als Schande. Die Neugeborenen wurden als Waisen im Heim großgezogen oder, häufig ohne Einverständnis der Eltern, zur Adoption freigegeben.

"In Irland steht uns noch viel Aufarbeitung bevor", schreibt Scally, der seit 2001 Korrespondent für die Tageszeitung "Irish Times" in Berlin ist. "Nach zwanzig Jahren in Deutschland weiß ich, wie mühsam aber auch belebend die Vergangenheitsbewältigung sein kann." In Irland gebe es diese selbstkritische Tradition nicht. "Viele Überlebende fühlen sich allein gelassen." Scallys Buch "The Best Catholics in the World" über die dunkle Vergangenheit der Kirche in Irland erscheint im März.

Massengrab bei einem ehemaligen Mutter-Kind-Heim  / © Niall Carson/PA Wire (dpa)
Massengrab bei einem ehemaligen Mutter-Kind-Heim / © Niall Carson/PA Wire ( dpa )
Schatten eines Kreuzes / © Harald Oppitz (KNA)
Schatten eines Kreuzes / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA