Benedikt XVI. auf Abschiedstour in Regensburg

Noch einmal am Familiengrab und in seinem "Häusle"

"Pentling ist für mich im tiefsten Sinn ein Daheim", bekannte Benedikt XVI. einst. Nun kehrte er nach 14 Jahren noch einmal in sein früheres Wohnhaus zurück - zum Plausch auch mit den lieben Nachbarn.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (l) und sein Bruder Georg Ratzinger im Jahr 2017 / © Lena Klimkeit (dpa)
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (l) und sein Bruder Georg Ratzinger im Jahr 2017 / © Lena Klimkeit ( dpa )

Benedikt XVI. hat den dritten Tag seiner überraschenden Visite in Regensburg für eine persönliche Abschiedstour genutzt, bei der ihn Bischof Rudolf Voderholzer begleitete. Zwischen zwei Besuchen am Krankenbett seines älteren Bruders Georg Ratzinger (96) ließ sich das frühere Kirchenoberhaupt mit seinen engsten Mitarbeitern zum Ziegetsdorfer Friedhof bringen. Am Grab, in dem seine Eltern und die große Schwester bestattet sind, wurden ein Vaterunser und ein Avemaria gebetet und nach katholischem Brauch ein paar Tropfen Weihwasser versprengt.

Altes Wohnhaus in Regensburg

Anschließend ging es in die Vorortgemeinde Pentling, wo sich der Theologieprofessor Joseph Ratzinger nach seiner Berufung auf den Dogmatik-Lehrstuhl der neuen Landesuniversität in Regensburg 1969 ein Haus hatte bauen lassen. Er wohnte dort bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising im Jahr 1977. Auch später kehrte er von München und von Rom aus nach Regensburg zurück und nutzte sein "Häusle" in der Bergstraße als Urlaubsdomizil. Eine Kuriosität ergab sich nach seiner Wahl 2005 zum Papst im Zusammenhang mit seiner Namenswahl. Unweit des Pentlinger Hauses führt die Bundesstraße B16 vorbei.

Mit Beginn seines Pontifikats war klar, dass Benedikt XVI. nie mehr nach Regensburg zurückkommen würde, um sich dort dauerhaft niederzulassen. Der langgehegte Plan der beiden Ratzinger-Brüder, ihren Lebensabend in derselben Stadt zu verbringen, hatte sich endgültig zerschlagen. Aber erst nach gut fünf Jahren rang sich der Papst dazu durch, das Anwesen an das zwischenzeitlich gegründete Institut Papst Benedikt XVI. zu übergeben, das sein theologisches Erbe verwaltet. Das Institut nutzt das Haus seither als Dokumentations- und Begegnungsort. Viel Originalausstattung und behutsame Ergänzungen sorgen für maximale Authentizität.

Reise in die Vergangenheit

Bereits 2006, bei seinem letzten offiziellen Besuch in Bayern, war Benedikt XVI. an diese beiden Orte zurückgekehrt und musste davon ausgehen, es sei das letzte Mal. 14 Jahre später bot sich nun die unerwartete Gelegenheit zu einer erneuten emotionsgeladenen Reise in die eigene Vergangenheit. Der Friedhofsgang geriet eher kurz - nur etwa zehn Minuten.

Im Pentlinger "Häusle" verweilte Benedikt XVI. eine Dreiviertelstunde, betrachtete das älteste verfügbare Foto seiner Familie und ließ sich von "starken Männern" in den ersten Stock in sein Arbeitszimmer hinauftragen, wie der stellvertretende Institutsdirektor Andreas Schaller im Anschluss berichtete. Nachdenklich, angerührt und auch freudig habe er Benedikt erlebt, sagte der Theologe.

Plausch mit den Nachbarn

Die altvertrauten Nachbarn, Rupert und Therese Hofbauer, seien auf einen Sprung herüber gekommen. Nur deren Kater Chico, der sich gern von Katzenfreund Ratzinger streicheln ließ, konnte nicht dabei sein. Er schaute vielleicht vom Himmel aus zu. Ein paar Sonnenstrahlen hätten ermöglicht, kurz im Garten beisammen zu sitzen, erzählte Schaller. Strahlend habe Benedikt XVI. den Ort verlassen.

Vor der Tour hatte Papstbotschafter Nikola Eterovic aus Berlin kurz im Regensburger Priesterseminar vorbeigeschaut, auch er ein alter Bekannter. Eterovic war unter dem Pontifikat des Bayern für die Organisation der Bischofssynoden im Vatikan zuständig.

Begegnungen "eine Kraftquelle für beide"

Im Bistum Regensburg ist man von Benedikts Blitzbesuch sehr angetan. Polizei und Malteser helfen bereitwillig bei Transport und Absicherung, Journalisten und andere Neugierige halten sich respektvoll zurück. Wohlmeinende bringen kleine Aufmerksamkeiten für den prominenten Gast ins Priesterseminar: Grußkarten, Kerzen und Blumen. Ob sie den Adressaten auch erreichen? "Selbstverständlich", versichert Schaller.

Einen "unglaublichen Willen, den Bruder in dieser schwierigen Stunde zu treffen", sieht der Theologe bei Benedikt XVI. Und nicht nur er wundert sich, wie der 93-jährige, selbst längst ein gebrechlicher Mann, das schafft. Aber die Begegnungen seien offenbar "eine Kraftquelle für beide".

Autor/in:
Christoph Renzikowski
Quelle:
KNA
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