Lebensmitteldiscounter setzen Landwirte unter Druck

Nichts als schöne Worte aus den Konzernzentralen?

Lebensmitteldiscounter werben mit billigen Produkten und das hat Folgen für die, die diese Produkte produzieren. Den Bauern reicht es - sie versuchen mit Protesten auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Ein Akt der Verzweiflung.

Bauernproteste vor dem Reichstag (Archiv) / © Kay Nietfeld (dpa)
Bauernproteste vor dem Reichstag (Archiv) / © Kay Nietfeld ( dpa )

DOMRADIO.DE: Mit Traktoren haben Landwirte in den vergangenen Monaten immer wieder die Lager von großen Einzelhandelsketten blockiert. Mit welchem Ziel?

Johannes Pott (Stellvertretender Direktor der Katholischen LandvolkHochschule in Oesede, Niedersachsen): Die Landwirte sind mittlerweile ziemlich gut miteinander vernetzt. Ansonsten sind die Landwirte natürlich auch in den Berufsständen, in den Verbänden organisiert, aber da jetzt nochmal kleinteiliger. Es hat dann im Laufe des vergangenen Jahres immer wieder Proteste gegeben, die wir alle in den Medien verfolgen konnten. Auch im Zuge der Corona-Krise haben die sich dann ein Stück weit verändert. Man ist dazu übergegangen, tatsächlich die Zentrallager der großen Lebensmitteleinzelhändler zu blockieren mit den Schleppern, um wenigstens auf eine andere Art und Weise ein Protest darzustellen, wenn man schon keine Marktmacht auf diese Unternehmen ausüben kann. Aber auch, um letztendlich die Unternehmen da zu treffen, wo es ihnen auch weh tut und das in einem Rahmen, der, denke ich, durchaus relevant ist für diese Unternehmen.

DOMRADIO.DE: Was genau ist denn die Forderung der Landwirte?

Pott: Im Grunde genommen geht es im Wesentlichen um faire Preise, die die Landwirte da fordern. Wir sehen seit Jahrzehnten eigentlich, dass der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ein System etabliert hat, das höchst effektiv ist, wenn es darum geht, Lebensmittel möglichst billig an den Verbraucher zu bringen. Der Verbraucher fordert das auch ein und das klappt insofern gut. Das Problem bei der Sache ist, dass die Landwirte diejenigen sind, die am Ende dieser Spirale stehen und mit niedrigen Preisen zurechtkommen müssen und in den letzten Monaten ist es immer wieder zu Preissenkungen gekommen, die aus Sicht der Landwirte nicht nur unnötig, sondern zum Teil sogar provokant waren. Das hat die Landwirte, die sowieso im Augenblick in einer sehr schwierigen Lage stecken, in die Situation gebracht, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen und als letztes Mittel eben auch diese Protestaktionen gewählt haben.

DOMRADIO.DE: Was hat das denn für Folgen für die Bäuerinnen und Bauern?

Pott: Die Folgen aktuell auf den Höfen sind, dass wir wirtschaftlich - immer unterschiedlich, je nachdem, nach welchen Betriebszweigen wir schauen - ganz angespannte Lagen haben. Im Milchviehbereich ist es eigentlich schon seit Jahren ziemlich schwierig, was das Preisliche anbelangt. Aktuell gerade ist es im Schweinebereich extrem schwierig. Man muss immer ein paar Dinge mehr beachten als nur den Preis, der da aktuell gezahlt wird: Was kostet das die Landwirte eigentlich, Lebensmittel herzustellen? Die Kosten sind dann auch immer direkt damit verbunden, welche Auflagen der Gesetzgeber den Landwirten gibt. Da ist es in den letzten Monaten und Jahren immer weiter zu Verschärfungen gekommen. Gleichzeitig fallen die Preise. Und parallel zu diesen beiden Faktoren kommt hinzu, dass wir seit Jahren in Deutschland auch eine gesellschaftliche Diskussion über die Landwirtschaft haben, die mitunter dazu führt, dass Landwirte sich häufig als die Buhmänner der Nation empfinden. Der gesellschaftliche Druck kommt dann zu diesen beiden anderen Faktoren nochmal hinzu.

DOMRADIO.DE: Im Juli gab's da ja jetzt noch einen Brief der niedersächsischen Bischöfe, die sich klar hinter die Landwirte gestellt haben, also Rückendeckung seitens der Kirche. Hat die Kirche denn  auch Möglichkeiten, da für Gerechtigkeit zu sorgen?

Pott: Nur bedingt. Die Kirche kann sich da eher als Vermittlerin positionieren, direkt als Akteurin in so einem politischen Betrieb natürlich nicht. Wobei Kirche auch immer ein Stück weit nicht nur Vermittlerin ist, sondern über die caritativen Einrichtungen vielleicht schon einen gewissen Einfluss nehmen könnte. Ansonsten hat sie natürlich, gerade was das Politische anbelangt, eben diese Vermittlerrolle und versucht da auch einzugreifen, wenngleich das nicht allzu einfach ist. Im Brief der niedersächsischen Bischöfe ging es damals konkret auch um den niedersächsischen Weg. Das war dann eine politische Sache. Da ging es um die Düngeverordnung, die viele Landwirte damals überhaupt erst auf die Straße getrieben hat. In kurzfristiger Zeit sind da mehrere Verschärfungen gekommen, die dann zu massiven Einschränkungen der Landwirte führten. Und das war damals überhaupt der Auslöser für diese Proteste.

DOMRADIO.DE: In zehn Tagen, am 13. Januar, soll es eine Videokonferenz mit Landwirtschaftsvertretern, dem Handel und der Politik geben. Ist Ihrer Meinung nach da eine Lösung in Sicht?

Pott: Ich bin da sehr skeptisch, weil die Lebensmitteleinzelhändler keine karitativen Einrichtungen sind. Die werden, im Rahmen des Erlaubten, immer das tun, was sie immer getan haben, nämlich den maximalen finanziellen Nutzen für sich herausschlagen. Ich glaube nicht an schöne Worte, die da aus den Konzernzentralen kommen und glaube eher, dass man da versucht, möglichst viel finanzielles Unheil von sich weg zu schieben. Ich bin da sehr skeptisch, dass tatsächlich ernst gemeinte Vorschläge kommen.

Quelle:
DR