Forscher haben Umgang mit verstorbenen Haustieren untersucht

"Nicht nur dein Tier stirbt"

Ein Holzkreuz im Garten, ein Pfotenabdruck als Tattoo, ein Gedicht über die "Regenbogenbrücke": Menschen trauern auch um verstorbene Haustiere. Forscher haben dieses Phänomen genauer beleuchtet.

Grab auf einem Tierfriedhof / © Harald Oppitz (KNA)
Grab auf einem Tierfriedhof / © Harald Oppitz ( KNA )

Fürst Pückler, Landschaftsarchitekt und Namensgeber der Eisspezialität, hatte eine weitere Leidenschaft. Davon zeugt eine Grabplatte im Park Branitz bei Cottbus: "Hier ruht Adschameh", steht darauf eingraviert, "meine vortreffliche arabische Stute. Brav, schön und klug". Mancher mag darüber schmunzeln - denn die Trauer um verstorbene Haustiere stößt oft auf Unverständnis.

Buch soll individuelle Abschiede aufzeigen

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Arbeitsgruppe Ethik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Sie haben Tierhalter dazu befragt, wie sie mit ihrem Verlust umgegangen sind. Entstanden ist das Buch "Nicht nur dein Tier stirbt". Es soll zeigen, wie individuell die Abschiede verlaufen, erklärt Projektleiter Peter Kunzmann. "Man kann kaum von außen darauf schauen und allgemeine Muster finden, etwa: Beim Tod von Katzen ist es anders als beim Tod von Hunden, oder: Nach dem neunten Tier haben sich Halter an den Tod gewöhnt."

Mangelndes Verständnis war ein Grund, warum Marion Schmitt die Befragung vor drei Jahren gestartet hat. "In der Gesellschaft scheint die Trauer um Tiere noch nicht anerkannt zu sein", erklärt die Expertin. Dabei seien Tiere schon in der Steinzeit bestattet worden; von den alten Römern und Griechen seien Grabmale und Trauergedichte für Tiere erhalten.

Abschied von Haustieren ist ein Markt geworden

Heute ist daraus auch ein Markt geworden. Todesanzeigen in Zeitungen sind für Vierbeiner möglich, ebenso wird in Blogs oder auf Online-Plattformen um sie getrauert. Wer möchte, kann sich aus der Asche eines toten Tieres einen Diamanten fertigen lassen oder ein Armband aus Fell oder Mähne. Der Leiter eines Krematoriums berichtete den Forschern, dass die allerste Tierasche, die er zu einem Diamanten gepresst hat, von einem Kaninchen stammte - zu deren Überraschung. "Man würde nicht erwarten, dass ein Tier mit einem Handelswert von zehn Euro jemandem so wichtig wird, dass er ein ewiges Andenken bewahren möchte", sagt Kunzmann.

"Platz der Erinnerung" wird geschaffen

Generell werde die Einäscherung, ähnlich wie bei Menschen, bei Haustieren beliebter, erklärt Schmitt. Einen entscheidenden Unterschied gibt es jedoch, fügt Kunzmann hinzu: "Mit einem toten Tier dürfen die Menschen machen, was sie wollen - mit einem toten Menschen nicht. Diese Freiheit zur individuellen Gestaltung nutzen viele Menschen." So darf Tierasche in einer Urne zu Hause aufbewahrt werden. Für manche Halter entsteht so ein Platz der Erinnerung, sagt Schmitt: "Sie stellen dort eine Kerze auf oder legen jeden Tag eine Blume an die Urne - und schaffen sich damit Raum, um den Verlust zu verarbeiten."

Mancherorts sind in Deutschland inzwischen sogar gemeinsame Bestattungen von Mensch und Tier möglich. Dass diese Beziehung enger wird, belegt eine weitere Umfrage der TiHo: 92 Prozent der Tierhalter erklärten, dass sie ihr Haustier als vollwertiges Familienmitglied betrachten. "Mit so einer hohen Zahl hätten wir nicht gerechnet", sagt Kunzmann.

Bindung zwischen Mensch und Haustier wächst

Für die Forscher spielen gesellschaftliche Veränderungen durchaus eine Rolle für die wachsende Bindung zwischen Mensch und Haustier. "Es gibt weniger Kinder, weniger große Familien, die gemeinsam leben, und mehr Single-Haushalte", erklärt Schmitt. "Einsamkeit und Isolation tragen sicher dazu bei, dass Haustiere immer beliebter werden. Viele Menschen wünschen sich, dass abends zu Hause jemand auf sie wartet."

Wer selbst kein Tier hat, kann das vielleicht schwer nachvollziehen - ebenso den Schmerz, wenn ein freudiges Schwanzwedeln oder ein wohliges Schnurren plötzlich wegfallen. "Es wäre schön, wenn Menschen erkennen: Da passiert etwas, das ich von außen schwer beurteilen kann", betont Kunzmann.

So hätten die Forscher selbst darüber gestaunt, wie sehr ein verstorbenes Tier den Mitarbeitern eines Tierheims fehlen kann, das sie erst wenige Tage kannten. Kunzmann: "Man stellt sich vor: Wenn jemand 14 Jahre mit einem Hund zusammenlebt, wird er Teil des Alltags und der Biografie - und reißt eine Lücke, wenn er geht. Es kann aber auch anders verlaufen." Die Experten hoffen künftig auf mehr Verständnis: "Unser Projekt könnte einen Grund liefern, andere in ihrer Trauer zu respektieren, die Echtheit und Tiefe der Gefühle von anderen anzuerkennen."  

Autor/in:
Paula Konersmann
Quelle:
KNA