In Nicaragua sind in mehreren Bistümern derzeit keine Priester- und Diakonenweihen möglich. Betroffen sind laut einem Bericht des US-Portals "National Catholic Reporter" (Mittwoch) die Diözesen Jinotega, Siuna, Matagalpa und Estelí.
Die Entwicklung verschärft den bereits bestehenden Priestermangel und steht im Zusammenhang mit anhaltenden Spannungen zwischen dem vom sandinistischen Regime geführten Staat und der katholischen Kirche.
Nach Einschätzung der im Exil lebenden Juristin Martha Patricia Molina, die die Lage der Kirche dokumentiert, werden die betroffenen Diözesen von Bischöfen geleitet, die sich außerhalb des Landes befinden. Dazu zählen unter anderem Rolando Álvarez, der auch als apostolischer Administrator von Estelí fungiert. Die Abwesenheit kirchlicher Leitungspersonen wirkt sich laut Beobachtern direkt auf die Ausbildung und Weihe von Geistlichen aus.
Die personelle Situation der Kirche im Land hat sich seit 2018 deutlich verschlechtert, als es im Zuge politischer Proteste zu verstärkten Maßnahmen gegen kirchliche Strukturen kam. In der Diözese Matagalpa seien heute nur noch rund 30 Prozent der damaligen Priester im Dienst, ein erheblicher Teil davon im fortgeschrittenen Alter.
Gleichzeitig berichten Quellen von weiterhin vorhandenen Berufenen, die aber nicht geweiht werden könnten. Nach Angaben Molinas wurden bislang mehr als 300 Priester, Ordensleute und Seminaristen ins Exil gedrängt oder an der Rückkehr gehindert.
Bischofskonferenz-Chef im Exil
Beispielsweise sei der Bischof von Jinotega und zugleich Vorsitzende der Bischofskonferenz des Landes, Carlos Enrique Herrera, des Landes verwiesen worden, nachdem er die Behörden dafür kritisiert hatte, dass sie vor seiner Kathedrale so laut Musik spielen ließen, dass man drinnen keine Gottesdienste abhalten konnte, so Molina gegenüber dem spanischsprachigen Nachrichtensender EWTN Noticias (Mittwoch).
Auch seien geplante Priesterweihen wiederholt unterbunden worden. Die Maßnahmen sind Teil eines breiteren Vorgehens gegen kirchliche Aktivitäten. Prozessionen und religiöse Feiern werden demnach teilweise auf Kirchengebäude beschränkt, während Sicherheitskräfte Gottesdienste überwachen. Auch kirchliche Einrichtungen wie Schulen oder soziale Projekte haben in den vergangenen Jahren ihren rechtlichen Status verloren.
International steht Nicaragua weiterhin unter politischem Druck, unter anderem aus den USA, politische Gefangene freizulassen. Beobachter sehen die Einschränkungen kirchlicher Strukturen im Zusammenhang mit der innenpolitischen Strategie der Regierung unter Daniel Ortega und Rosario Murillo.