Nicaraguas Bischöfen gelingt Vermittlungserfolg in Unruheprovinz

"Keine Toten mehr"

Mit dem Bus waren Kardinal Leopoldo Brenes und Weihbischof Silvio Baez nach Mayasa gefahren, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. In Nicaraguas Südwesten tobt der Widerstand gegen die Regierung am heftigsten.

Bewaffnete Demonstranten bei Protesten in Nicaragua / © Carlos Herrera (dpa)
Bewaffnete Demonstranten bei Protesten in Nicaragua / © Carlos Herrera ( dpa )

Schon die Ankunft wurde zu einer Demonstration: Trotz tagelanger Kämpfe im Südwesten Nicaraguas strömten am Donnerstag (Ortszeit) Tausende Menschen auf die Straßen, um die Delegation aus der Erzdiözese Managua zu empfangen.

Am frühen Morgen hatten sich Kardinal Leopoldo Brenes, Weihbischof Silvio Baez, der neue Papstbotschafter Erzbischof Stanislaw Waldemar Sommertag und eine Gruppe von Priestern auf den Weg nach Masaya gemacht, um ein weiteren Blutvergießen zu verhindern. Die Bilder der Reisegruppe in einem kleinen Bus, die lokale Medien veröffentlichten, verbreiteten sich rasend schnell in den Sozialen Netzwerken.

Proteste dauern seit Wochen an

Seit Wochen gibt es in Nicaragua Massenproteste gegen die sandinistische Regierung von Präsident Daniel Ortega; sie fordern dessen sofortigen Rücktritt. Kirchenvertreter gaben zuletzt Demonstranten Rückzugsmöglichkeiten in Gotteshäusern, damit diese nicht Opfer von Polizeigewalt wurden. Masaya ist ein symbolisch aufgeladener Ort. Dort gelang den heute regierenden Sandinisten einst ein entscheidender Schlag gegen die blutige Diktatur des von den USA unterstützten Familienclans Somoza. Die Bilder der aufopferungsvoll kämpfenden Rebellen gingen damals um die Welt und sorgten für weltweite Solidarität mit den linksgerichteten Sandinisten. Heute leistet Masaya erneut Widerstand - diesmal aber gegen die sandinistische Regierung.

In Masaya sollen nach Oppositionsangaben seit Tagen Sicherheitskräfte und regierungsnahe paramilitärische Banden mit massiver Gewalt gegen die Demonstranten vorgehen. Immer wieder posten Aufständische Videos von schwer bewaffneten Regierungstruppen, die auf Demonstranten schießen sollen. Die Ortega-Regierung macht dagegen die Opposition für die Gewalt verantwortlich; sie spricht von "Vampiren und Terroristen". Seit Mitte April kamen bislang rund 200 Menschen ums Leben. Die Bischöfe hatten ihre Vermittlungstätigkeit zwischenzeitlich abgebrochen, nachdem trotz laufender Gespräche weiter auf Demonstranten geschossen wurde.

Reise der Bischöfe wird als Erfolg gewertet

Die Reise nach Masaya war offensichtlich ein Erfolg. Der örtliche Kommandant der Einsatztruppen versicherte nach Angaben von Kardinal Brenes den Stopp von Repressionen gegen die Demonstranten. Und die Kirche soll noch einen weiteren Teilerfolg errungen haben. Am Freitag (Ortszeit) sollen - auf Basis einer mündlichen Zusage - alle Gefangenen in den von den Unruhen besonders betroffenen Städten und Gemeinden Masaya, Nindiri, Masatepe und Ticuantepe freigelassen werden, die im Zuge der Proteste festgesetzt wurden. Sie befinden sich offenbar derzeit im Gefängnis "El Chipote" in Managua.

Der päpstliche Nuntius rief derweil die Bevölkerung auf, auf die Anwendung jeglicher Gewalt zu verzichten. Die Krise sei nur gewaltfrei zu lösen. Auch in anderen Diözesen geht der Einsatz der Kirche für eine friedliche Lösung weiter. Der Bischof von Granada, Jorge Solorzano Perez, rief zu einer Prozession für den Frieden auf. Und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kündigte noch für den Tagesverlauf eine Erklärung zur Krise in Nicaragua an.

 

Autor/in:
Tobias Käufer
Quelle:
KNA