Die Gerüchteküche brodelt beim Bischofstreffen in Fulda

"Neuer Außenanstrich reicht nicht"

Volles Programm für Deutschlands katholische Bischöfe: Auf ihre Herbstvollversammlung folgt bald das Plenum des Synodalen Wegs. Jetzt entscheidet sich, welche Reformen in der Kirche möglich sind.

Der Sitzungssaal des Stadtschlosses während der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz / © Harald Oppitz (KNA)
Der Sitzungssaal des Stadtschlosses während der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz / © Harald Oppitz ( KNA )

Von Routine konnte bei dieser Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe keine Rede sein. Zwar gleichen sich die Bilder: Auf dem Fuldaer Domplatz haben wie in den Vorjahren kirchenkritische Initiativen die Plastik eines in seiner Hängematte schlummernden Bischofs aufgestellt, um gegen die aus ihrer Sicht schleppende Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs zu protestieren.

Erneut demonstrieren Reforminitiativen unter dem Motto "Wir bleiben laut" für Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit in der Kirche. Und wieder beobachtet man Gruppen von dunkel gekleideten Bischöfen auf ihrem Weg vom Priesterseminar zum Tagungsraum im Fuldaer Stadtschloss, wo eine umfangreiche Tagesordnung auf die mehr als 60 Bischöfe und Weihbischöfe wartete. Doch diesmal wird in der Gerüchteküche besonders heiß gekocht.

Gerüchte über Ämter

Entscheidet Papst Franziskus noch während der Vollversammlung über die Zukunft des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki? Das Raunen darüber prägt viele Gespräche in Fulda. Was wird aus den Kölner Weihbischöfen Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp, deren Ämter ruhen? Sie nahmen an der Vollversammlung nicht teil - anders als der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der von seinen Mitbrüdern herzlich begrüßt wurde, nachdem der Papst sein Rücktrittsgesuch - ebenso wie schon das Angebot des Münchner Kardinals Reinhard Marx - erst vergangene Woche abgelehnt hatte.

Römische Entscheidungen gab es dann doch nicht. Aber jede Pressekonferenz und jede Predigt bot Stoff für Spekulationen. Trotz dieser Begleitmusik verlief die Herbstvollversammlung - mit umfangreichen Personalentscheidungen und Debatten über Reformen und die Zahlungen für Missbrauchsopfer - konstruktiv.

Mahnende Worte von Bischof Bätzing

Das lag auch am Vorsitzenden, dem Limburger Bischof Georg Bätzing, der das Treffen souverän leitete, weit entfernte Positionen zu integrieren versuchte und klare Zeichen für ein Umdenken forderte: Ein neuer Außenanstrich reiche nicht; die Menschen müssten merken, dass sich etwas verändere.

Mit einer selbstkritischen Predigt beeindruckte der 60-Jährige seine Mitbrüder - obwohl oder gerade weil er von ihnen eine radikale Wende in Wirken und Amtsverständnis forderte. Ohne eine echte Umkehr würden die Bischöfe der Wucht des Missbrauchsskandals und der Dramatik der Entkirchlichung nicht gerecht, schrieb Bätzing den Bischöfen ins Stammbuch.

Für Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft sei das bisherige Auftreten der Bischöfe ein Anlass, das Erlösungsangebot der Kirche "als anmaßend und übergriffig und angesichts des Missbrauchs obsolet zurückzuweisen". Starke Worte, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.

Papst-Botschafter: Einheit wahren und nicht vorpreschen

Fest steht: Der Druck auf die Bischöfe ist riesig. Während der Botschafter des Papstes, Nikola Eterovic, die Bischöfe eindringlich mahnte, nicht zu weit vorzupreschen und die Einheit der Kirche zu wahren, können Teile der Kirchenbasis dieser innerkirchlichen Logik immer weniger folgen. Warten oder vorangehen?

Die Ampelmännchen in Fulda versinnbildlichen diesen Konflikt: Sie sind nach dem Vorbild des heiligen Bonifatius Bischöfe. Der rote Bischof hält warnend das Kreuz in die Höhe, der grüne schreitet mit seinem Stab forsch voran. Mancher Bischof ließ in Fulda durchblicken, dass man eigentlich viel mehr Zeit bräuchte, um die Reformthemen zu durchdenken und neue Wege zu suchen. Doch die Zeit drängt: Die Fuldaer Vollversammlung ist nur eine Art Prolog.

Gespräche beim Synodalen Weg

Schon nächste Woche werden in Frankfurt die Mitglieder des Synodalen Wegs zusammenkommen, um über Reformvorschläge - etwa zur Sexualmoral oder zur Macht in der Kirche - zu diskutieren und erste Textentwürfe abzustimmen. Das Frankfurter Treffen könnte noch unruhiger werden als die Bischofsversammlung in Fulda: Die Bischöfe Rudolf Voderholzer und Stefan Oster demonstrierten bereits im Vorfeld Distanz zur Mehrheitsmeinung im Reformprozess.

Oster fürchtet, dass die "Verteidiger der geltenden kirchlichen Lehre" kaum noch mit ihren Argumenten durchdringen. Voderholzer hat eine Webseite gestartet, um "Alternativtexte" zum Synodalen Weg zu veröffentlichen. Die beiden sind nicht die einzigen, die Kritik an den überwiegend von Theologieprofessorinnen vorbereiteten Synodal-Texte üben. Diese seien zu wenig in der kirchlichen Lehre und in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils verankert, lautet einer der Vorwürfe.

So scheint es durchaus möglich, dass auf die offene und konstruktive Debatte der Bischöfe in Fulda in Frankfurt eine scharfe Konfrontation folgen wird. Selbst eine bischöfliche Sperrminorität - dafür genügen die Stimmen von 23 Bischöfen und Weihbischöfen - scheint bei der Synodalversammlung in Frankfurt nicht ausgeschlossen.

Bischof Bätzing am Dienstag in Fulda (dpa)
Bischof Bätzing am Dienstag in Fulda / ( dpa )
Autor/in:
Christoph Arens und Ludwig Ring-Eifel
Quelle:
KNA
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