Nahostbeobachter Mertes zum Nahost-Konflikt

Zeit für eine Neuordnung des Gazastreifens

Der Nahostbeobachter Michael Mertes zeigt sich leicht optimistisch über die Entwicklungen im Heiligen Land. Er sehe Bewegung für eine politische Neuordnung, sagte Mertes im domradio.de-Interview.

Israels Soldaten ziehen ab (dpa)
Israels Soldaten ziehen ab / ( dpa )

"Ich sehe politische Bewegungen in dem Prozess“, erläuterte der Nahost-Experte. Während die Hamas mit Katar und der Türkei nur zwei Verbündete habe, stünden auf Seiten Israels viele mächtige Verbündete. Letztere könnten bei einer Neuordnung Israel zur Seite stehen.

Mertes leitete bis zu seinem Ruhestand vor wenigen Tagen das Auslandsbüro Israel der Konrad-Adenauer-Stiftung. In den Verhandlungen sollten nach Ansicht Mertes drei Punkte durchgesetzt werden: Eine Entwaffnung der Hamas und des islamischen Dschihad, eine Öffnung des Gazastreifens für die dort lebenden Menschen und eine wirksame Kontrolle der Zugänge.

"Es darf auch nicht dazu kommen, dass mit der Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen, erneut ein Raketenimport stattfindet, der dazu führt, dass wir in drei Jahren das Gleiche erleben, was wir in den vergangenen Wochen erlebt haben", warnte Mertes. Die palästinensische Autonomiebehörde mit Sitz im Westjordanland sollte die Kontrolle vor Ort übernehmen, aber auch internationale Teams müssten mehr Präsenz im Gazastreifen zeigen, rät Mertes.

In weiten Teilen des Gazastreifens hat am Montag eine sieben Stunden lange humanitäre Waffenruhe begonnen. Während der Feuerpause sollen dringend benötigte Hilfsgüter wie Medikamente, Wasser und Nahrungsmittel in das Katastrophengebiet gebracht werden. Darüber hinaus sollen Zivilisten in ihre Wohngebiete zurückkehren können, sofern ihre Häuser nicht zerstört oder schwer beschädigt worden sind.

Vier Wochen nach Ausbruch des Gazakrieges sollen die Waffen im Nahen Osten wieder schweigen. Am Dienstag begann eine dreitägige Waffenruhe, dazu zog Israel auch alle seine Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab.

Ägypten hatte die Feuerpause zwischen Israel und militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen am Montag vermittelt. Nächstes Ziel ist jetzt eine längerfristige Vereinbarung. Dazu führen Delegationen Israels und der Palästinenser indirekte Gespräche in Kairo.


Zerstörtes Zuhause (dpa)
Zerstörtes Zuhause / ( dpa )
Quelle:
DR