Hauptsache, die Stimmung ist gut?!

„Näher, mein Gott, zu Dir!“

Sinkende Mitgliederzahlen, Corona-Krise, Missbrauchsskandal. Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer Herbstvollversammlung "schwere Kost" auf den Beratungstellern liegen. Doch "die Stimmung unter uns Bischöfen ist gut", eröffnete Bischof Bätzing die Konferenz. Da traute DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen kaum seinen Ohren.

 (DR)

Manchmal denkt man, man sitzt im falschen Film: Während der Maschinenraum unten schon knietief unter Wasser steht, spielt oben an Deck noch fröhlich die Bordkapelle. Als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, in dieser Woche zum Auftakt der Herbstvollversammlung verkündete, „Die Stimmung unter uns Bischöfen ist gut!“, erinnerte das ein wenig an den verzweifelten Versuch der Schiffskapelle, alle bei Laune zu halten und sich selber Mut einzugeigen. Bätzing strahlte dabei mit der Herbstsonne um die Wette. Vielleicht ist es ja der Job des Kapitäns, gerade in unruhigen Zeiten Ruhe und Sicherheit auszustrahlen – wenn überall nur Gefahren lauern? Aber auch seine Mitbrüder zeigten sich – wenn man sie denn fragte – größtenteils nur unbekümmert von ihrer Schokoladenseite.
• Eine Instruktion aus Rom, die nicht nur vielen Bischöfen auf den Magen geschlagen ist?
  „Ja gut – wir sind doch auf Kurs.“
• Ein weiteres Schreiben der römischen Glaubenswächter, mit einem deutlichen „Nein“ zur ökumenischen Mahlgemeinschaft?
   „Ach was, null Problemo, kann man ja mal in Ruhe theologisch prüfen.“
• Anerkennungszahlungen für die Opfer des kirchlichen Missbrauchs?
   „Wird doch alles gut geregelt – wir sind doch dran!“
• Rückgang des Kirchenbesuchs nicht nur wegen Corona?
   „Na, na – Corona-Probleme haben doch alle!“
• Gläubige, die in hoher Zahl wie nie zuvor das geliebte Kirchenschiff verlassen?
   „Nicht neu – haben wir im Blick!“
• Katholische Frauen, die scharenweise zu Maria 2.0 überlaufen und sich nicht länger vertrösten lassen wollen?
   „Ach – die krakeelenden Frauen…“
Den in Fulda versammelten Bischöfen läuft eigentlich überall die Zeit weg. Zu viele Wassereinbrüche von allen Seiten. Kein rettender Hafen weit und breit. Doch während sich der langjährige Beobachter angesichts all dieser nicht schmelzenden Problem-Eisberge Sorge um das
Kirchenschiff macht, ist die Stimmung auf der Brücke angeblich gut. Hinzu kommt, dass die alterfahrenen Kirchenkapitäne uneins sind über den richtigen Kurs. Die einen empfehlen mutig „volle Kraft voraus und einen rettenden Veränderungskurs“ – während die anderen schon wieder den Rückwärtsgang suchen. Nicht zu vergessen: die vielen Unentschlossenen und ewigen Bedenkenträger.

Aber Hauptsache, die Stimmung an Bord ist gut... Auf der Titanic soll die Bordkapelle „Näher, mein Gott, zu Dir!“ gespielt haben. Keine schlechte Empfehlung für Kirchenmänner in leitender Verantwortung. Vielleicht sind die Bischöfe ja schon auf dem Weg…
 

Ihr
Ingo Brüggenjürgen

PS: Wie erfolgreicher Dialog funktioniert, demonstrierten die Bischöfe Bätzing, Bode und Gerber. Während die meisten Oberhirten sich um die demonstrierenden Frauen herumdrückten, gingen sie offen auf ihre kfd-Frauen zu. Zur Belohnung gab es einen lilafarbenen Zollstock – ein „Machtmeter“, mit dem die Frauen auf gleiche Maßstäbe für alle hinweisen wollten. Bischof Bode mit dem ausgeklappten Zollstock: „Oh – da müssen wir dann zu Ihnen aufschauen?“, wurde schnell von der kfd-Bundesvorsitzenden Mechthild Heil korrigiert: „Uns reicht es, wenn Sie uns auf Augenhöhe begegnen!“ Wenn „unser guter Draht nach oben“ doch mehr solche Frohen Botschaften funken könnte...