Rheinland-pfälzischer Ditib-Vorsitzender tritt zurück

Nach umstrittener Einladung

Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Islamverbands Ditib, Yilmaz Yildiz, ist zurückgetreten. Grund sei die Einladung zu einer Veranstaltung mit dem umstrittenen türkischen Historiker Ahmet Simsirgil, erklärte der Ditib-Landesvorstand. 

Halbmond auf der Spitze eines Minarettes der Kölner Zentralmoschee der Ditib / © Oliver Berg (dpa)
Halbmond auf der Spitze eines Minarettes der Kölner Zentralmoschee der Ditib / © Oliver Berg ( dpa )

Über den Rücktritt informierte der Ditib-Landesvorstand am Sonntag in Mainz. Zuvor habe bereits der Generalsekretär Necdettin Aydin, der das Organisationskomitee leitete, seinen Rücktritt erklärt. Simsirgil, Professor für osmanische Geschichte an der Marmara-Universität, ist für antiwestliche und antisemitische Ausführungen bekannt.

Ditib-Landesverband: Rücktritt sei notwendig

"Ich möchte versichern, dass die medial geäußerten Meinungen von Herrn Simsirgil weder meine, noch die Meinung der Ditib auch nur annähernd wiedergeben", teilte Yildiz laut Ditib mit. Der Landesvorstand danke Yildiz für seine zehnjährige Tätigkeit als Vorsitzender, doch halte er dessen Rücktritt für notwendig. "Denn die Einladung einer Person wie Ahmet Simsirgil, der in seinen Texten und Äußerungen offene Hetze gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen, geschlechtlichen, religiösen oder weltanschaulichen Ansichten betreibt, kann in keiner Weise akzeptiert werden."

Simsirgil verteidigt in dem aktuellen Artikel auf seiner Homepage die Kündigung der Istanbul-Konvention des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen durch Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einer Woche. Der Historiker steht Erdogan und seiner Partei AKP nahe und hat zahlreiche Follower auf seinen Social-Media-Kanälen.

Verpflichtung zu gemeinsamen Wertegrundlagen

Mit der Ditib und drei weiteren Islamverbänden hat die rheinland-pfälzische Landesregierung im April 2020 eine Vereinbarung geschlossen mit dem Ziel, sie als Partner  für einen islamischen Religionsunterricht anzuerkennen. In der sogenannten Zielvereinbarung verpflichten sich die Islamverbände und das Land zu "gemeinsamen Wertegrundlagen" als Basis ihrer Zusammenarbeit. "Gemeinsam treten sie jeglicher Form von Gewalt und Diskriminierung aufgrund von Ethnie und Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität entgegen. Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und religiösen Extremismus werden beide Seiten gemeinsam entschieden bekämpfen", heißt es in der Vereinbarung.

Die hessische Landesregierung dagegen kündigte im selben Monat die Beteiligung von Ditib am Islamunterricht auf. Als Hauptgrund nannte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) fortbestehende Zweifel an der Unabhängigkeit der Organisation vom türkischen Staat unter Präsident Erdogan. Ausschlaggebend sei die Weisungskette vom türkischen Staatspräsidenten über die ihm unterstehende Religionsbehörde Diyanet, den Ditib-Bundesverband und dessen hessischen Landesverband.

Der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (SPD) verteidigte jedoch im Mai 2020 die fortdauernden Gespräche der Landesregierung mit Ditib. In Rheinland-Pfalz habe es bislang keine gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichteten Aktivitäten von Ditib gegeben. Es gebe bislang keine Belege für Eingriffe der Türkei in die Angelegenheiten des Landesverbandes, solche Eingriffe wären aber möglich. Dies müsse ausgeschlossen werden, damit Ditib als Partner für den islamischen Religionsunterricht infrage komme.

Quelle:
epd
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