Nach Essener Missbrauchsstudie fordern Laien mehr Mitwirkung

Überhöhung des Priestertums beseitigen

Nach der Vorstellung einer Missbrauchsstudie für das Bistum Essen fordern katholische Laien mehr Mitwirkung in der Diözese. Bei allen Strukturfragen müsse der Diözesanrat gehört und einbezogen werden, verlangte das Gremium in Essen.

Protest von Maria 2.0 in Essen / © Andre Zelck (KNA)
Protest von Maria 2.0 in Essen / © Andre Zelck ( KNA )

"Die ungleiche Macht- und Gewaltenteilung und die völlige Überhöhung des Priestertums müssen beseitigt werden."

Der Diözesanrat rief das Bistum zudem auf, auch personelle Konsequenzen in Betracht zu ziehen. Die sozialwissenschaftliche Untersuchung der Institute IPP und Dissens hatte vor allem die systemischen Ursachen der sexuellen Gewalt in den Blick genommen.

 Vorstellung der Studie zu Missbrauch im Bistum Essen
 / © Andre Zelck (KNA)
Vorstellung der Studie zu Missbrauch im Bistum Essen / © Andre Zelck ( KNA )

Anders als in anderen Diözesen ging es weniger um persönliche Verantwortlichkeiten von früheren und aktuellen Amtsträgern. Dazu sagte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bei der Präsentation der Studie am Dienstag: "Ich weigere mich, eine Person zum Sündenbock zu machen." Er als Bischof übernehme für sein Bistum die Verantwortung, "indem ich das ganze System anschaue".

Weiterer Ausbau der Präventionsarbeit gefordert

Die Laienvertretung forderte des Weiteren einen Ausbau der Präventionsarbeit im Bistum und kündigte an, auch die eigenen Strukturen und Haltungen kritisch zu hinterfragen. Es habe eine Art "Co-Klerikalismus" gegeben, dem entgegengewirkt werden müsse. "Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Gemeinden mit ihren ehrenamtlich Engagierten in der Vergangenheit schlecht informiert und völlig im Stich gelassen wurden. Das darf nicht so bleiben", hieß es.

 Vorstellung der Studie zu Missbrauch im Bistum Essen
 / © Andre Zelck (KNA)
Vorstellung der Studie zu Missbrauch im Bistum Essen / © Andre Zelck ( KNA )

Laut eigener Zahlen der Diözese gibt es im Bistum Essen seit seiner Gründung vor 65 Jahren bis heute mindestens 423 Fälle und Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt. 201 Personen sind beschuldigt, darunter 129 Geistliche und 19 Ordensfrauen. 2018 verzeichnete eine bundesweite Studie für die Essener Diözese nur 60 beschuldigte Geistliche sowie 85 Betroffene seit der Gründung 1958.

423 Missbrauchsfälle und 201 Beschuldigte im Bistum Essen

Im Bistum Essen hat es seit der Gründung vor 65 Jahren mindestens 423 Fälle und Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt gegeben. Die Zahlen legte das Ruhrbistum selbst bei der Vorstellung einer Aufarbeitungsstudie vor. Insgesamt sind 201 Personen beschuldigt, darunter 129 Geistliche und 19 Ordensfrauen.

2018 verzeichnete eine andere Studie für die Essener Diözese noch 60 beschuldigte Geistliche sowie 85 Betroffene seit der Gründung.

Essen: Franz-Josef Overbeck (l-r), Bischof des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, Generalvikar, und Christiane Gerard, Leiterin Personal, nehmen an einer Pressekonferenz teil / © Roberto Pfeil (dpa)
Essen: Franz-Josef Overbeck (l-r), Bischof des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, Generalvikar, und Christiane Gerard, Leiterin Personal, nehmen an einer Pressekonferenz teil / © Roberto Pfeil ( dpa )
Quelle:
KNA