"Musica" - Langjähriger Thomaskantor Biller verstorben

Grandioser Chorleiter mit Sinn für Ökumene

Für Leipzig als Musikstadt und für die Sänger des Thomanerchores ist es eine traurige Nachricht: Georg Christoph Biller starb am Donnerstag im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit. Die Sendung "Musica" erinnert an ihn.

Autor/in:
Mathias Peter
Alt-Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller / © THOMANERCHOR Leipzig, Matthias Knoch (DR)
Alt-Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller / © THOMANERCHOR Leipzig, Matthias Knoch ( DR )

Während seiner Amtszeit hat Biller den Aufbau des sogenannten "Forum Thomanum" maßgeblich vorangetrieben und das Jubiläum zum 800-jährigen Bestehen 2012 mitgestaltet.

1955 als Pfarrersohn in Nebra geboren, sang Biller selbst als Knabe im berühmten Knabenchor. 1992 übernahm er dann als Thomaskantor den Chor - für mehr als zwei Jahrzehnte. Ihm sei es gelungen, die Thomaner nicht nur an der Spitze der künstlerischen Leistungsfähigkeit zu halten, sondern den Chor auch stetig weiterzuentwickeln, so der Thomanerchor in einer Mitteilung zum Tod des Chorleiters.

Innenraum der Leipziger Thomaskirche / © Gaid Kornsilapa (dpa)
Innenraum der Leipziger Thomaskirche / © Gaid Kornsilapa ( dpa )

Schon 2015 hatte der Chorleiter das traditionsreiche Amt des Thomaskantors aus gesundheitlichen Grünen abgeben müssen.

Das Thomaskantorat gilt als das wichtigste kirchenmusikalische Amt in der evangelischen Kirche in Deutschland. Von daher hätte die Symbolkraft 2013 nicht größer sein können: ausgerechnet am Hochfest Peter und Paul sang mit den Thomanern Deutschlands berühmtester evangelischer Chor im Petersdom in Anwesenheit von Papst Franziskus. Nicht umsonst sprach der Vatikan in diesem Zusammenhang von einer wichtigen ökumenischen Initiative. Gemeinsam mit dem Chor des Papstes – der Capella Sistina – sangen die Knaben und jungen Männerstimmen in der Liturgie.

Singen beim Papst

Doch nicht nur das Pontifkalamt stand damals auf dem Programm, die Thomaner verbanden den Gottesdienst mit einer Konzertreise nach Rom. Die Musik war ganz auf Ökumene ausgerichtet: die Leipziger sangen nicht nur Werke von Johann Sebastian Bach, sondern auch von Giovanni Pierluigi da Palestrina. Der Italiener gilt als so etwas wie der Prototyp des katholischen Kirchenkomponisten. Doch konfessionelle Berührungsängste gebe es im Bereich der Kirchenmusik ohnehin weniger als bei den Theologen, erklärte Biller damals. "Palestrina kommt bei uns auch so im Programm vor, er spielt ohnehin eine wichtige Rolle in der Kirchenmusik." Auch Bach habe Palestrina als Vorbild gekannt und dessen Musik für sich genutzt.

Selbstbewusster evangelischer Christ

Doch bei aller Wertschätzung für die Katholische Kirche, eins war dem evangelischen Kirchenmusiker damals im Gespräch mit DOMRADIO.DE wichtig: "Ich möchte aber nicht den Eindruck vermitteln, dass wir uns sozusagen nach Hause begeben in die Katholische Kirche, sondern, dass wir in den Dialog treten wollen mit der Katholischen Kirche." Biller war wie Bach überzeugter evangelischer Christ. Seine Sänger sollten in Rom vor allem eins lernen: Verständnis für Andersdenkende.

Seine Leidenschaft für Musik in Verbindung mit der Glaubens-Vermittlung an junge Menschen wurde durch zunehmende körperliche Probleme ausgebremst.

2015 müsste der damals 59jährige zurücktreten. An seinem 65. Geburtstag wurde Biller noch einmal für seine Verdienste geehrt, schon damals saß er im Rollstuhl. Seinen katholischen Nach-Nachfolger Andreas Reize traf Biller noch nach dessen Amtsantritt im September 2021, am 27. Januar ist Georg Christoph Biller nach Angaben seiner Familie "friedlich eingeschlafen".

In der Sendung Musica erklingen zum Tod von Biller ausgesuchte Aufnahmen des Thomanerchores unter seiner Leitung.

Information der Redaktion: Beginn der Sendung am 30.01.2022 um 20.00 Uhr

Quelle:
DR