Münsteraner Weihbischof fordert zur Flüchtlingsaufnahme auf

 (DR)

Tausende verzweifelte Menschen versuchen aus Afghanistan zu fliehen. Münsters Weihbischof Stefan Zekorn fordert im Interview mit DOMRADIO.DE die Menschen, die in Deutschland ankommen, auch aufzunehmen. Er spricht sich dafür aus, Entwicklungshilfen weiter zu zahlen.

Beim Anblick der Bilder von verzweifelten Menschen am Flughafen in Kabul ging Zekorn die Frage durch den Kopf: "Wie kann so etwas geschehen? Wie kann es geschehen, dass die USA und die europäischen Länder nach 20 Jahren Aufbauarbeit ein Land so schnell, so chaotisch verlassen? Da habe ich keine Erklärung für. Die kann man jetzt auch, glaube ich, nicht haben."

Weiterhin sagte er: "Für die Menschen in Afghanistan ist das eine Katastrophe, jedenfalls für sehr, sehr, sehr viele, Hunderttausende, Millionen. Für die politischen Kräfte, also die USA und unsere europäischen Länder, ist es wirklich ein Desaster, auch was den Vertrauensverlust in der Welt angeht."

Für den Weihbischof, der auch Beauftragter für Weltkirche im Bistum Münster ist, wäre es fatal, wenn grundsätzliche Entwicklungshilfe eingestellt werden würde, "denn die, die darunter leiden, sind die Menschen vor Ort."

Für ihn ist es wichtig, sich zunächst um die Flüchtlinge zu kümmern. "Das gilt natürlich für die, die am Flughafen sind. Das gilt für die Ortskräfte der Bundeswehr. Aber die dürfen nicht vergessen werden: Die Ortskräfte der Hilfsorganisationen, die verschiedenen NGOs, kirchliche und andere hatten und haben entsprechende Ortskräfte, von denen sehr viele auch gefährdet sind. Auch die darf man jetzt nicht einfach vergessen."

"Und dann kann es auch sein, dass es Flüchtende gibt, die nach Europa und Deutschland kommen. Das kann man jetzt alles nicht genau vorhersehen, aber es gibt natürlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Wir müssen entsprechend dem Asylrecht die, deren Leben bedroht ist, auch aufnehmen", sagt Zekorn gegenüber DOMRADIO.DE. (19.08.2021)