Münsteraner Dom wird für ein Jahr geschlossen

Die Glocken schweigen

Der Dom zu Münster wird Anfang November für über ein Jahr geschlossen. Auch die Domglocken schweigen. Die Messfeier am Allerseelen-Tag mit anschließender Gräbersegnung werde voraussichtlich bis zum Advent 2012 der letzte Gottesdienst im St.-Paulus-Dom sein, teilte das Bistum am Montag mit. Grund ist die Innenrenovierung der Kathedrale.

 (DR)

Wie das Bistum weiter mitteilte, schließt die Domkammer bereits am 4. Oktober, weil mit den Vorbereitungen der großen Ausstellung "Goldene Pracht - Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen" begonnen wird, die ab 26. Februar zu sehen ist. In Vertretung des Paulusdomes steht die benachbarte Altstadtkirche Liebfrauen Überwasser bereit. Hier finden alle Domgottesdienste statt, auch die festlichen Pontifikalliturgien, etwa zu Weihnachten und Ostern. Die Renovierungsarbeiten laufen bereits seit mehreren Monaten. Bereits jetzt ist fast die gesamte Dachfläche des Domes von rund 5.500 Quadratmetern erneuert. Auch die Steinmetzarbeiten am Salvatorgiebel am südlichen Ostquerhaus sind laut Bistum abgeschlossen. Teile des Gerüstes bleiben stehen, weil nun auf der Innenseite eine Schutzverglasung für das große Maßwerkfenster eingebaut wird; dazu muss die 1987 installierte Domorgel durch eine Holzummantelung besonders geschützt werden. Neuer Glockenstuhl Auch ein neues Heizungs- und Belüftungssystem ist bereits eingebaut: Eine "Geothermie-Anlage" beheizt den Paulusdom mittels Erdwärme. Laut Dombaumeister Georg Wendel lässt sich dadurch der Kohlendioxid-Ausstoß um 56 Tonnen jährlich verringern; bei den Heizkosten lassen sich 13.000 Euro einsparen. Bei der Innenrenovierung wird die komplette Elektroinstallation inklusive Beleuchtung erneuert. Die elf Domglocken, 17 Tonnen schwer, schweigen ein Jahr lang, bis der verrostete stählerne Glockenstuhl durch einen neuen aus Holz ersetzt ist. Das aktualisierte Brandschutzkonzept sieht neben verbessertem Blitzschutz den Einbau einer Trockensteigleitung vor, durch die im Brandfall große Mengen Löschwassers in den Bereich von Hauptdach und Glockenturm transportiert werden können. Die Domsakristei, die sich nach den Worten von Dompropst Josef Alfers "in einem archaischen Zustand" befindet, wird einer Generalsanierung unterzogen. Der gesamte 109 Meter lange Innenraumes wird gestrichen; auch die Kirchenbänke werden überholt. Der heutige (dritte) Dom zu Münster wurde 1264 geweiht. Im Zweiten Weltkrieg erlitt er schwerste Zerstörungen. 1956 konnte die Kathedrale wieder eingeweiht werden. Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen fanden 1985, 2001/02 und ab 2010 statt.