Motorradwallfahrer auf dem Jakobsweg

Born to believe

Lederjacken, schwere Maschinen, aufheulende Motoren. Nicht die Hell's Angels, eine Gruppe passionierter Biker aus Berlin ist auf dem Weg ins nordspanische Santiago de Compostela. Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten, die ihr Glaube eint.

Autor/in:
Barbara Mayrhofer
Christen auf Rädern (dpa)
Christen auf Rädern / ( dpa )

Pfarrer Bernd Schade ist der Seelsorger der Motorradchristen und Initiator der ersten ökumenischen Motorradpilgerfahrt auf dem Jakobsweg. "Es soll eine Entschleunigungstour werden, der ganz bewusste Weg zu uns selbst", sagt er über die ungewöhnliche Pilgerreise. Bei überschaubaren Tagesetappen von etwa 300 Kilometern soll genügend Zeit bleiben für Andachten, Meditationen und Gespräche.

"Die Seele baumeln lassen", ist Micha Menzels Ziel für die Pilgerfahrt. Dem Stress entfliehen und Zeit für sich und Gott finden. Nachdem seine Kinder aus dem Haus sind, hat Menzel wieder mehr Zeit für seine Leidenschaft. Die Liebe zum motorisierten Zweirad hat vor rund 30 Jahren begonnen, bei den "Motorradchristen" ist er seit einem Jahr dabei. Warum Motorrad? "Born to be wild", sagt Menzel und lacht. Die Wallfahrt wird für ihn die erste lange Ausfahrt seit langem. "Motor an, Wind spüren und die Freiheit genießen", fasst er die vor ihm liegenden zwei Wochen zusammen. Die Namen der Kinder hat er sich auf sein Motorrad sprühen lassen, damit sie immer mit dabei sind.

Unter dem Schutz Gottes

Die Pilgergruppe besteht aus etwa 20 Bikern, jeder, der will, kann aber an einer der 12 Stationen dazu stoßen. Nachdem der traditionelle Jakobsweg nicht für Motorräder gemacht ist, wird die Gruppe auf Umwegen zum Grab des Apostels Jakobus gelangen. Ein Kollege Bernd Schades erzählte von seinem Jakobsweg auf dem Motorrad, das ermutigte Schade, seiner Gruppe eine solche Reise vorzuschlagen. Pilgern auf Rädern - die Biker waren begeistert.

Ich habe mir erst vor einem halben Jahr ein Motorrad zugelegt, aber ich freue mich total auf die Fahrt» erzählt Regina Schade. Nachdem ihr Mann bereits seit Jahren im Dienst der Motorradchristen unterwegs ist, steigt Regina Schade zum ersten Mal für so eine lange Fahrt auf ein Motorrad. "Der schmerzende Hintern kommt auf jeden Fall", sagt sie, als sie ihr Motorrad abfahrfertig macht. Sie ist sicher, dass auch sie bei ihrer ersten Pilgerfahrt erleben wird, dass "man nicht so ankommt, wie man losgefahren ist". Eine Herausforderung sei das gemeinsame Fahren, da müsse jeder auf den anderen achten, damit alle ankommen. Als persönlichen Beistand hat sie einen kleinen metallenen Schutzengel in der Tasche - ein bisschen gefährlicher als zu Fuß gehen ist das Motorradfahren eben doch.

Dann ruft Bernd Schade die Gruppe zusammen. Die Fahrt stehe unter dem Schutz Gottes, so will er die Reise mit einem Gebet beginnen. Schade gibt den Bikern den Psalm 84 mit auf den Weg und spricht das Segensgebet. "Zu sich selbst finden ist nicht ohne Risiko", sagt er und gibt den Startschuss zur Abfahrt. Lederjacken zu, die schweren Maschinen starten und mit einem kräftigen Amen kann die Pilgerfahrt losgehen.


Quelle:
KNA