Moskauer Patriarch kritisiert Gründung unabhängiger orthodoxer Kirche

"Kiew führt Ukraine in den Untergang"

Die "Orthodoxe Kirche der Ukraine" hatte sich am Wochenende in Kiew gegründet. Das stößt beim russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. auf Unmut. "Das ist ein Weg zum geistigen Nirgendwo", sagt er.

Patriarch Kyrill I. / © Natalia Gileva (KNA)
Patriarch Kyrill I. / © Natalia Gileva ( KNA )

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die ukrainische Regierung wegen der Gründung einer von Moskau unabhängigen orthodoxen Kirche in dem Land scharf kritisiert. In Kiew träten Politiker für eine "Gemeinschaft von Schismatikern (Kirchenspalter)" ein, sagte der Patriarch am Mittwoch laut russischen Nachrichtenagenturen bei einem Gottesdienst. "Das ist ein Weg zum geistigen Nirgendwo, das ist ein Weg in den Untergang."

Es sei besorgniserregend, wie im "Bruderland Ukraine" Menschen mit Lügen in die Irre geführt würden, so Kyrill I. im Nikolaus-Kloster in Dserschinski bei Moskau. Das "Volk der Heiligen Rus, das in Russland, der Ukraine, Weißrussland und anderen Orten lebt", solle geistig vereint bleiben. Aus dem vom 9. bis 13. Jahrhundert bestehenden Reich gingen alle drei Staaten hervor.

Die Ukraine will sich noch stärker von Russland abgrenzen

Die "Orthodoxe Kirche der Ukraine" hatte sich am Wochenende in Kiew mit Unterstützung des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und Staatspräsident Petro Poroschenko gegründet. Sie entsteht aus zwei vom Moskauer Patriarchat abgespaltenen Kirchen. Die Ukraine will sich dadurch auf religiösem Gebiet noch stärker von Russland abgrenzen. Die russisch-orthodoxe Kirche und die Regierung in Moskau protestierten dagegen und werfen Kiew eine Verfolgung der in der Ukraine fortbestehenden moskautreuen Kirche vor.

US-Außenminister Michael Pompeo betonte unterdessen in einem Telefonat mit dem neugewählten Oberhaupt der neuen ukrainischen Kirche, Metropolit Epiphanius, dass die USA die Relgionsfreiheit und die ukrainische Souveränität unterstützten. Pompeo drückte nach Angaben seines Sprechers (Dienstagabend Ortszeit) seinen Respekt vor der Fähigkeit der Ukrainer aus, die von ihnen gewählte Religion auszuüben.

Die orthodoxe Kirche gilt als wichtigstes Bindeglied zwischen Russland und der Ukraine. Rund 70 Prozent der Ukrainer sind orthodoxe Christen. Seit dem Ende der Sowjetunion 1991 gab es in der Ukraine drei große orthodoxe Kirchen: eine des Moskauer Patriarchats und zwei, die sich von diesem abgespalten hatten. Künftig bestehen in der ehemaligen Sowjetrepublik die "Ukrainisch-Orthodoxe Kirche" des Moskauer Patriarchats und die selbstständige (autokephale) "Orthodoxe Kirche der Ukraine".

Quelle:
KNA