Morgenimpuls von Schwester Katharina

Menschen wie du und ich

An Allerheiligen erinnert Schwester Katharina daran, dass alle Heiligen auch nur ganz normale Menschen mit ihren Ecken und Kanten waren. Und das wiederum rücke sie nah an uns heran.

Hände beim Gebet / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Hände beim Gebet / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Heilig sein oder ein heiligmäßiges Leben führen – das klingt oft alles so weit weg und so unwirklich wie ein unerreichbares Ideal. So als ob Menschen, die wir als heilig bezeichnen, nie irgendwann auch nur irgendeinen Fehler in ihrem Leben gemacht haben dürfen. Und weil niemand von uns fehlerlos ist, wirken Heilige mit den Geschichten, die sich oftmals um sie herum ranken, meist wie Gestalten in weiter Ferne.

Doch wer sich mal mit der Lebensbeschreibung ganz bestimmter Heiliger beschäftigt, wird ziemlich schnell feststellen, dass da oftmals nicht alles Gold ist, was glänzt. Allein schon im Kreis der zwölf Apostel gab es Maulhelden, die Jesus alles mögliche versprochen, dann aber völlig versagt haben, wie zum Beispiel Petrus, der Jesus gleich dreimal verleugnet hat. Mancher Heiliger hatte zuvor ein zügellosen Leben geführt, sich auf Kosten anderer bereichert wie der Zöllner Matthäus. Und schauen wir in die spätere Geschichte, da entdecken wir Heilige, die ein ziemlich merkwürdiges Frauenbild hatten, die zum Kreuzzug aufgerufen oder wie in manchen anderen Fragen Dinge vertreten haben, über die wir heute mit dem Kopf schütteln.

Aber alle diese Fehler und Schwächen zeigen uns doch, das Heilige damals wie heute Menschen wie du und ich waren und immer noch sind. Und das wiederum rückt sie wieder nah an uns heran. Sie zeigen uns nämlich, dass auch wir "zur Heiligkeit berufen" sind, wie man so schön sagt. Paulus schreibt das an seine Gemeinde in Ephesus: Gott erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid. Welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt. Heiligkeit entsteht also nicht aus uns selbst heraus. Sie ist ein Geschenk Gottes, das wir nur anzunehmen brauchen. Vielleicht fangen wir heute schon mal damit an. Also los. 


Quelle:
DR