Heute steht im liturgischen Kalender das Rosenkranzfest. Das kennen nur noch wenige. Das ist so ein Tag zwischen Krieg und Frieden. In Lexika findet man dazu, dass das Rosenkranzfest von Papst Pius V. 1571 gestiftet wurde, der damit seinen Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto ausdrücken wollte. Ein Fest zum Dank für einen Sieg, das war früher nicht so unüblich.
Ich habe zu diesem Tag und diesem Fest eine ganz eigene Erfahrung. Der 7. Oktober war in der DDR der Tag der Republik, also der Gründungstag der DDR. Da es ein landesweiter Feiertag war, die Schulen geschlossen hatten und nicht gearbeitet wurde, konnten wir mit den Jugendleitern der religiösen Kinderwoche, die immer im Sommer waren, an diesem Tag den Dankeschönausflug machen. Und immer haben wir an diesem Tag unterwegs an irgendeiner Kirche oder einem schönen Platz in der Natur angehalten und zusammen den Rosenkranz gebetet. Und wir haben uns immer lustig darüber gemacht, dass dieser sozialistische DDR-Geburtstag an diesem kirchlichen Fest lag. Und ich bin ehrlich, ich bin ziemlich sicher, dass die millionenfach gebeteten Rosenkränze dazu beigetragen haben, dass diese Diktatur seit 30 Jahren schon Geschichte ist und nicht mehr existiert.
Aber eigentlich ist dieses Gebet alles andere als ein Kampfgebet. Einzeln oder in Gemeinschaft in Ruhe gebetet, ist es eine Betrachtung der vielen Stationen des Lebens Jesu, quasi an der Hand seiner Mutter. Und es ist nicht das Herunterplappern von 55 Gebeten, sondern das Einschwingen in den jeweiligen Gedanken, der da betrachtet wird. Als Kind bin ich dabei immer eingeschlafen. Aber jetzt macht mich dieses Gebet eher sehr munter, weil ich alle Einflüsse von außen nicht mehr so wahrnehme und mich mit Hilfe der einzelnen Perlen und Gesätze des Rosenkranzes eine halbe Stunde mit Jesus beschäftige. Wenn das kein Muntermacher ist.