Minister Gröhe und Müller besuchen Ebola-Gebiete

Weißhelme gegen Epidemien

Der Aufbau der Gesundheitssysteme in den Ebola-Gebieten in Westafrika steht im Fokus einer gemeinsamen Reise von Entwicklungsminister Gerd Müller und Gesundheitsminister Hermann Gröhe. Die Delegation will Entwicklungsprojekte besuchen.

Ein Eimer mit Chlorwasser vor einer Schule in Liberia (dpa)
Ein Eimer mit Chlorwasser vor einer Schule in Liberia / ( dpa )

Am Dienstag brachen Müller und Gröhe zu einem viertägigen Besuch nach Ghana und Liberia auf. Zur Delegation gehören die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, Johannes Richert vom Deutschen Roten Kreuz, Bernd Pastors von action medeor und der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner. Es seien Gespräche mit den Staatspräsidenten von Ghana, John Dramani Mahama, sowie mit der liberianischen Staatspräsidentin und Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf geplant, hieß es.

An einer Ebola-Infektion sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang rund 10.400 Menschen gestorben. Ghana blieb zwar von der Epidemie verschont, dient aber als Logistik-Stützpunkt für die Versorgung der am stärksten betroffenen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea. Deutschland hat nach Regierungsangaben bislang 195 Millionen Euro zur Ebola-Bekämpfung beigetragen.

Aufbau eine Weißhelm-Truppe mit Ärzten und Technikern

Als Reaktion auf die Ebola-Krise legt die Bundesregierung ein Sonderhilfsprogramm für Westafrika auf und plant den Aufbau einer Weißhelm-Truppe aus Ärzten, Technikern und Spezialisten. Das kündigten Müller und Gröhe am Dienstag in der der "Bild"-Zeitung an. "Wir werden den Aufbau der Gesundheitssysteme und einer besseren Krisenreaktion in Afrika mit 200 Millionen Euro fördern", sagte Müller. Liberia, Sierra Leona und Guinea seien wirtschaftlich um fünf bis zehn Jahre zurückgeworfen worden.

Die geplante Weißhelm-Truppe will Deutschland notfalls im Alleingang aufbauen. "Wir werden bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine Kernmannschaft von Weißhelmen aufstellen, die in drei bis fünf Tagen überall auf der Welt im Einsatz sein kann", sagte Müller. Ob sich andere Nationen an der Initiative beteiligen, sei davon unabhängig.

Ärzte ohne Grenzen: Verbesserte Infektionskontrolle notwendig

Die Oppositionsfraktionen kritisierten erneut, dass die Bundesregierung erst viel zu spät auf die Ebola-Krise reagiert habe. Deutschland nehme seine internationale Verantwortung noch immer nicht ausreichend wahr, bemängelte der Linken-Abgeordnete Niema Movassat. Die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche pochte auf konkrete Maßnahmen mit klarer Finanzierung als Ergebnis der Reise.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen betonte, es sei unerlässlich, weiterhin jedem Ebola-Verdachtsfall nachzugehen und mögliche Kontaktpersonen zu identifizieren. Angesichts der stark geschwächten Gesundheitssysteme bleibe das eine enorme Herausforderung. "Ebola hat deshalb so viel Schaden in Liberia, Guinea und Sierra Leone angerichtet, weil die Gesundheitssysteme dieser Länder bereits davor schwach waren", sagte der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Liberia, Philippe Le Vaillant. Er drang auf deutliche Verbesserungen bei der Infektionskontrolle.


Quelle:
KNA