Menschenrechtler kritisieren Umgang der WHO mit Taiwan

 (DR)

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat den Umgang der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Taiwan kritisiert. "Taiwans Ausgrenzung aus der WHO schadet dem internationalen Kampf gegen Covid-19", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. Die Regierung in Taiwan habe es geschafft, die Zahl der Corona-Erkrankten niedrig zu halten. "Andere Länder sollten von diesen Erfahrungen lernen können." 

Statt die Verdienste Taiwans bei der Eindämmung der Virus-Erkrankungen als beispielhaft hervorzuheben, werde Taiwan ausgegrenzt und ignoriert, so Delius. Das sei unwürdig. "Die WHO muss sich fragen lassen, ob die Weltgesundheit für sie Vorrang hat – oder die Machtinteressen Chinas", sagte der GfbV-Chef. Er forderte, die Inselrepublik müsse zumindest einen Beobachterstatus erhalten. 

Taiwans Mitgliedschaft in der WHO sei bisher am Widerstand Chinas gescheitert, so die GfbV. China sehe die Insel als Teil ihres Staatsgebiets an und lehne jede Berücksichtigung durch die WHO oder andere internationale Organisationen kategorisch ab. Taiwan habe sich laut der Organisation zwischen den Jahren 1997 und 2008 vergeblich um einen Beobachterstatus in der WHO bemüht. Als in Taiwan eine China-freundliche Regierung gewählt worden sei, habe China Taiwan ab 2009 als Beobachter in der WHO zugelassen. Als sich die Beziehungen Chinas zu Taiwan 2016 wieder verschlechterten, sei der Beobachterstatus wieder entzogen worden.

Nach Angaben der GfbV sind in Taiwan bisher nur knapp 300 Menschen mit dem Coronavirus infiziert - trotz der Nähe zu China. Fünf Menschen dort seien an dem Virus gestorben. Dazu habe vor allem die Auswertung von Reisedaten beigetragen. Schon während der Ausbreitung des Sars-Virus in den Jahren 2002 und 2003 habe Taiwan die Zahl der Erkrankungen sehr stark eindämmen und die Zahl der Todesopfer auf vergleichsweise geringe 37 begrenzen können. (KNA)