Im Wallraf-Richartz-Museum sind die Gemälde von Samstag an bis zum 5. Oktober in einem weißen Pseudo-Barockinterieur mit Kronleuchtern und Chesterfield-Sofas zu bewundern. "Wir kombinieren alte Meisterwerke mit einer hippen, niederländischen Wohnkultur. So hoffen wir, auch junge Menschen begeistern zu können", sagt Kremer.
Große Namen sind vertreten: Rembrandt, Frans Hals, Pieter de Hooch - und ebenso fast alle Genres jener Epoche, in der Hollands Maler nach Schätzungen von Kunsthistorikern jährlich 70.000 Gemälde produzierten. Schiffe pflügen durch die Wellen, Bürgersleute posieren im Sonntagsstaat mit Rüschenkragen und Perlenkette, Schlittschuhläufer spielen Eishockey auf einem zugefrorenen See. Vor den weiß gekalkten Wänden einer calvinistischen Kirche steht ein Prediger vor seiner Gemeinde, und eine in Satin gekleidete Dame lässt sich von einem schwarzen Sklaven aus den Kolonien die Hände waschen.
Viele religiöse Motive
Auch viele religiöse Motive sind darunter, teils für katholische Auftraggeber bestimmt. Sie hingen möglicherweise in sogenannten Schlupfkirchen, die in der protestantischen, aber toleranten Bürgerrepublik von der Obrigkeit geduldet wurden. Einer der Höhepunkte ist ein "reuiger Petrus" von Gerrit van Honthorst, der zwischen 1618 und 1620 entstand.
Die Gemälde hängen normalerweise in unterschiedlichen niederländischen Museen - auch für Kremer ist es das erste Mal, dass er seine 48 Schätze nun vereint in einem Raum überblickt. "Es ist fantastisch", sagt er. "Für mich ist es immer noch ein Wunder, dass es mir wirklich möglich war, diese Kunst zu erwerben." Um Impressionisten von vergleichbarer Qualität zu erwerben, müsse ein Sammler ein Bill Gates sein. Die Meister des 17. Jahrhunderts seien dagegen mit einigen hunderttausend Euro pro Bild "spottbillig", sagt er mit einem Augenzwinkern.
"So etwas erlebt man nur einmal"
Seine Sammelleidenschaft bezeichnet der 57-Jährige als "positive Krankheit", die ihn schon als Kind befiel. Als er zehn Jahre alt war, unternahm seine Schulklasse einen Ausflug ins Amsterdamer Rijksmuseum. Und dort stand er wie vom Blitz getroffen vor Rembrandts "Judenbraut", jenem Bild, von dem Vincent van Gogh sagte, er würde zehn Jahre seines Lebens dafür geben, um zwei Wochen davor sitzen bleiben zu dürfen. "Ich habe diese Situation immer noch vor mir. Ich stand vor diesem großen Gemälde, und ich fand es großartig, überwältigend", erinnert sich Kremer.
Heute besitzt Kremer, der sein Vermögen im Ölgeschäft gemacht hat, seinen eigenen Rembrandt, den "Alten Mann mit Turban". Als er ihn kaufte, galt das Bild noch als Schülerwerk. Doch dann fand das Rembrandt Research Project heraus, dass es sich um ein Original handelt.
Hochzufrieden sind Kremer und seine Frau Ilone mit der Präsentation ihrer Bilder in Köln. Die Verbindung kam über Museumsdirektor Andreas Blühm zustande, der früher im Amsterdamer Van Gogh-Museum wirkte.
Später reist die Ausstellung weiter zur Museumslandschaft Hessen Kassel und ins Frans Hals-Museum nach Haarlem. "Wir haben zwei Jahre auf diese Ausstellung zugelebt", sagt Ilone Kremer. "So etwas erlebt man nur einmal."
Das Museum ist dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr und an Wochenenden von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Meisterwerke niederländischer Malerei in Köln
Von Rembrandt bis Frans Hals
Sein Vater floh vor den Nazis aus Köln nach Holland, kam später doch nach Auschwitz und entging nur knapp der Gaskammer. Der niederländische Kunstsammler George Kremer hat dennoch Köln zum ersten Ort bestimmt, an dem seine komplette Kollektion holländischer Meisterwerke des 17. Jahrhunderts in einer einzigen Ausstellung zu sehen ist.
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