RWE-Chef rechnet mit Erhalt des Hambacher Forsts

Mehr als ein Rauschen im Walde?

Ist es ein Umdenken? Der Energiekonzern RWE stellt sich auf einen Erhalt des Hambacher Forsts ein. "Der Erhalt ist politisch und gesellschaftlich gewünscht, und auch wir wollen ihn machbar machen", sagte Konzernchef Rolf Martin Schmitz.

"Hambi bleibt" steht auf einem Baum im Hambacher Forst / © Oliver Berg (dpa)
"Hambi bleibt" steht auf einem Baum im Hambacher Forst / © Oliver Berg ( dpa )

Er sei optimistisch. "Denn bei dem von der Kommission empfohlenen Ausstieg benötigen wir weniger Braunkohle für unsere Kraftwerke", erklärte Schmitz der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Donnerstag)..

Technisch sei der Erhalt lösbar

Laut einem geologischen Gutachten kann RWE bis auf 50 Meter an den Forst baggern, ohne seinen Wasserspeicher zu gefährden. Technisch sei der Erhalt lösbar, sagte Schmitz. Eine andere Frage sei, ob es den Aufwand wert sei. "Es ist deutlich komplizierter ihn stehenzulassen, als ihn nicht stehenzulassen." Dazu brauche es aber eine ganz neue Braunkohleplanung, "die zehn bis 15 Jahre dauert und sehr viel Geld kostet. Wenn das so gewünscht ist, machen wir es", sagte Schmitz.

Er forderte die Bundesregierung auf, die Ergebnisse der Kohlekommission zügig umzusetzen. "Es ist wichtig, dass wir eine verlässliche Basis für den Kohleausstieg bekommen, vor allem für unsere Mitarbeiter", betonte der RWE-Chef. "Sie wollen wissen, bis wann Maßnahmen greifen und wie viele Stellen abgebaut werden müssen."

Staatliche Entschädigung gefordert

Der RWE-Chef verteidigte zugleich die Forderung des Konzerns nach staatlichen Entschädigungen angesichts des vorgezogenen Braunkohleausstiegs. "Weil der gesellschaftlich beschlossene Ausstieg schneller kommen soll, als wir ihn selber machen würden, müssen uns zusätzlich entstehende Kosten und entgangene Gewinne ersetzt werden", sagte Schmitz.

RWE gehe es insbesondere um Entschädigungen für die Maßnahmen, die schon in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Davon würden rund 3.500 Mitarbeiter betroffen sein.

Der Hambacher Forst ist ein wenige hundert Hektar großes Waldstück zwischen Köln und Aachen, das als Symbol des Widerstands gegen den Braunkohle-Abbau gilt. Umweltschützer und Polizei lieferten sich dort monatelang teilweise gewalttätige Auseinandersetzungen.

RWE wollte als Betreiber des Tagebaus Hambach ursprünglich ab Mitte Oktober 2018 die Hälfte des noch stehenden Waldes roden. Nachdem sich die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission für den Erhalt des Hambacher Forsts aussprach, kündigte der Essener Energiekonzern an, bis 2020 keine weiteren Bäume zu fällen.

Demonstration im Hambacher Forst  / © Christophe Gateau (dpa)
Demonstration im Hambacher Forst / © Christophe Gateau ( dpa )
Ein Aktivist hängt im Hambacher Forst an Seilen zwischen den Bäumen / © Marius Becker (dpa)
Ein Aktivist hängt im Hambacher Forst an Seilen zwischen den Bäumen / © Marius Becker ( dpa )
Gefällte Bäume im Hambacher Forst, im Hintergrund ein Braunkohlebagger im Tagebau / © Marius Becker (dpa)
Gefällte Bäume im Hambacher Forst, im Hintergrund ein Braunkohlebagger im Tagebau / © Marius Becker ( dpa )
Quelle:
epd