Marx: Statt längerem Arbeitslosengeld lieber Arbeit finanzieren

"Die einfachste Lösung muss nicht die beste sein"

Der katholische Sozialbischof Reinhard Marx vermutet hinter der Debatte um eine längere Zahlung von Arbeitslosengeld I eine gehörige Portion Populismus. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) warnte der Trierer Bischof am Mittwoch davor, die eigentlichen Probleme des Arbeitsmarktes zu vernachlässigen. Statt für längeres Arbeitslosengeld solle das Geld lieber für Qualifizierungsmaßnahmen oder zur Finanzierung von Arbeit für Ältere bereitgestellt werden.

 (DR)

Marx forderte bessere Voraussetzungen dafür, ältere Arbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Auch die beruflichen Chancen für gering qualifizierte Arbeitnehmer und Jugendliche ohne Abschluss müssten dringend verbessert werden. "Wenn ich höre, dass knapp zehn Prozent der Jugendlichen das allgemeine Schulsystem ohne Abschluss verlassen, bin ich sehr besorgt", sagte er.

Der Trierer Bischof sprach sich zugleich dafür aus, über einen sogenannten Dritten Arbeitsmarkt oder Sozialen Arbeitsmarkt nachzudenken. Ziel müsse sein, auch die Schwächsten über Arbeit in die Gesellschaft zu integrieren. Marx regte auch ein neues Nachdenken über Kombilöhne an. Der Markt selbst werde die Probleme dieser Menschen nicht lösen.

Die Debatte über das Arbeitslosengeld I nannte der Bischof zwar verständlich. Eine verlängerte Zahlung verschiebe aber die Problematik möglicherweise häufig nur um wenige Monate. Zudem könnte von einer Verlängerung auch das Signal ausgehen, dass man vor der Aufgabe kapituliere, ältere Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Er sehe eher Verbesserungsbedarf beim Arbeitslosengeld II, das Menschen sehr schnell in Armut führen könnte.