Maas und Rekowksi: Bündnis für Seenotrettung bilden

"Man lässt eben niemanden ertrinken"

Aus Sicht des deutschen Außenministers sollten einzelne europäische Staaten bei der Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Menschen vorangehen. Auch der evangelische Migrationsexperte Rekowski dringt auf ein Ende der Odysseen der Rettungsschiffe.

Rettungsring auf einem Boot / © Sumalee (shutterstock)

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat eine Vorreiter-Initiative Deutschlands bei der Verteilung von Flüchtlingen angekündigt, die im Mittelmeer gerettet wurden. "Wir brauchen ein Bündnis der Hilfsbereiten für einen verbindlichen Verteilmechanismus", sagte Maas. Der evangelische Migrationsexperte Manfred Rekowski nannte es skandalös und unwürdig, dass die Aufnahme geretteter Boostflüchtlinge derzeit nicht geregelt ist.

Mass: "Festes Kontingent an Geretteten übernehmen"

Der deutsche Außenminister Maas sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag): "Unser Angebot steht: Deutschland ist bereit, einen substanziellen Beitrag zu leisten und zu garantieren, immer ein festes Kontingent an Geretteten zu übernehmen." Er schlug vor, dass jene europäischen Staaten vorangehen, die bereit sind, Geflüchtete aufzunehmen. Alle anderen blieben eingeladen, sich zu beteiligen. Tagelange Irrfahrten privater Seenotretter auf der Suche nach sicheren Häfen sollten der Vergangenheit angehören, sagte Maas.

"Bei jedem Boot wieder in ein unwürdiges Geschachere um Menschenleben zu beginnen, kann nicht die Lösung sein. Weder die Retter noch die Geretteten können länger warten, bis sich auch der letzte Mitgliedsstaat in der EU bereiterklärt, Gerettete zu übernehmen", betonte der Minister.

Er erwarte, dass die EU-Partner im Umgang mit aus Seenot Geretteten "in der kommenden Woche einen entscheidenden Schritt vorankommen", sagte Maas. Am Donnerstag beraten die Justiz- und Innenminister der EU bei einem Treffen in Helsinki.

Rekowksi: "Evangelische Kirche in Deutschland ist keine Reederei"

Der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Rekowski, sagte dem Deutschlandfunk am Samstag, wenn Gerettete nicht an Land kommen können, sei das ein "Stück Fortsetzung des Elends". "Da muss es Lösungen geben", forderte er.

Zu den EKD-Überlegungen, ein eigenes Rettungsschiff auf dem Mittelmeer zu betreiben, äußerte sich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland zurückhaltend. Nach dem jetzigen Diskussionsstand gehe er nicht davon aus, dass die EKD allein ein Schiff tragen wird. "Die Evangelische Kirche in Deutschland ist ja keine Reederei", sagte er. Rekowski sagte, es gehe darum, eine Koalition in der Zivilgesellschaft zu bilden, die gemeinsam mehr tut als bislang. "Wir dürfen nicht wegsehen", sagte der Theologe: "Man lässt eben niemanden ertrinken."

Die Überlegungen zu einem Rettungsschiff der EKD gehen auf eine Resolution des evangelischen Kirchentages im Juni in Dortmund zurück. Der Rat der EKD will voraussichtlich im September entscheiden, ob das bereits bestehende, vor allem finanzielle Engagement der protestantischen Dachorganisation und der 20 evangelischen Landeskirchen bei der zivilen Seenotrettung erweitert wird. Auch der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hatte sich zu einem eigenen EKD-Schiff bereits zurückhaltend geäußert.

Außenminister Heiko Maas (SPD) / © Bernd von Jutrczenka (dpa)
Außenminister Heiko Maas (SPD) / © Bernd von Jutrczenka ( dpa )
Präses Rekowski besucht Seenotretter auf Malta / © Heiko Kantar (epd)
Präses Rekowski besucht Seenotretter auf Malta / © Heiko Kantar ( epd )
Quelle:
epd
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