Warum Schwester Katharina in Sozialen Medien aktiv ist

"Man kann viel mehr Menschen erreichen"

Dass Kirche auch "digital kann", wird wohl spätestens durch die coronabedingten Aktivitäten und Streams deutlich. Schwester Katharina Hartleib hingegen ist schon lange in den Sozialen Medien unterwegs. Warum? Das erklärt sie im Interview.

Symbolbild Soziale Medien und Kirche / © Puwadon Sang (shutterstock)
Symbolbild Soziale Medien und Kirche / © Puwadon Sang ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sie sind bei Facebook sehr aktiv und es gibt auch für die, die es möchten, jeden Morgen einen kleinen Impuls per Sprachnachricht von Ihnen. Wieso machen Sie das?

Schwester Katharina Hartleib (Franziskanerin aus Olpe): Das ist tatsächlich eine weitere Möglichkeit, viel mehr Menschen zu erreichen, als in dem kleinen Umfeld, in dem ich normalerweise lebe. Es ist eine kleine Stadt und ich habe mit vielen jungen Leuten Kontakt. Aber in meinem Alltag und meinem christlichen Leben ist es natürlich noch sehr viel schöner und sehr viel umfangreicher, diese gute Botschaft, aus der wir leben, über Radio, Podcast und über Facebook unters Volk zu bringen.

DOMRADIO.DE: Worauf muss man achten, wenn man als Person der Kirche in den sozialen Medien unterwegs ist?

Schwester Katharina: Für mich heißt es eigentlich nur, dass ich die sein muss, die ich bin. Ich erzähle von Dingen, die mich beschäftigen, die mich bewegen und die mir wichtig sind. Und ich erzähle vom Evangelium, von der Botschaft Jesu für uns Menschen heute im Jahr 2020, aber dabei sollte man nicht immer diese große Bekehrungs-Keule schwingen, sondern vom normalen Glaubensalltag, der uns wirklich prägt, erzählen.

DOMRADIO.DE: Gerade in diesen Zeiten macht die Kirche gezwungenermaßen auch viel im Internet. Viele Leute finden das sehr gut und nutzen die Angebote auch. Glauben Sie, dass das nachhaltig ist? Bleibt da vielleicht etwas hängen, auch nach der Pandemie?

Schwester Katharina: Ich hoffe das sehr. Ich merke zum Beispiel hier in der Pfarrei, als irgendwann klar war, dass keine Gottesdienste mehr gefeiert werden konnten, dass die Idee aufkam, jeden Morgen einen Impuls ins Netz zu setzen. Aber dieser sollte nicht nur von den Pfarrern und den hauptamtlich Glaubenden kommen, sondern von vielen Menschen hier aus der Stadt. Hier leben ja rund 20.000 Menschen.

Ich muss gestehen, dass es hervorragend läuft. Es werden nicht nur die 20 Leute, die sonst morgens in die Frühmesse gingen oder die 1.500, die am Wochenende in die Kirche gehen, erreicht, sondern jeden Tag bis zu 5.000 Menschen, die diesen Impuls lesen. Ich denke, dass es eine gute Idee ist. Warum soll man das jetzt aufhören? Es ist eine kluge Idee, mit seinem normalen Menschsein als Glaubender unter Menschen zu sein. Und da ist das Internet natürlich ideal.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, die Kirche hat in dieser Zeit auch die Aufgabe gemeistert, die Leute digital abzuholen, die sonst vielleicht nicht in dem Feld unterwegs sind?

Schwester Katharina: Einen Teil auf alle Fälle, denke ich. Da bin ich mir sehr sicher. Ich erzähle zum Beispiel von der Mutter einer Mitschwester, die ihren Fernseher und ihr Telefon hatte, um die Kinder und die Enkel zu erreichen. Irgendwann sagte sie, dass man ihr doch mal ein Tablet besorgen soll, damit sie auch andere Sachen sehen kann. Jetzt sagt sie, dass es ihr lieber ist, sonntags einen sehr schön gefeierten Gottesdienst zu sehen, als dass sie überhaupt keine Chance habe, daran teilzunehmen. Und die Frau ist Anfang 80.

Das Interview führte Michelle Olion.

Schwester Katharina / © Alexander Foxius (DR)
Schwester Katharina / © Alexander Foxius ( DR )
Quelle:
DR