In Mainz beginnt die Ausstellung "Der 'verschwundene' Dom"

Kathedrale im Wandel

Der Name ist Programm: "Der 'verschwundene' Dom. Wahrnehmung und Wandel der Mainzer Kathedrale im Lauf der Jahrhunderte". Der Besucher soll eine "lebendige Vorstellung davon bekommen, in welchen Dom ein Mensch des 11., des 15. oder des 18. Jahrhunderts eingetreten ist", sagt der Direktor des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums Hans-Jürgen Kotzur.

Autor/in:
Peter de Groot
 (DR)

Die Sonderausstellung, von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur mit 200.000 Euro gefördert, will vor allem die "vergangenen, nicht mehr vorhandenen Gesichter" des Doms veranschaulichen und so den "verschwundenen" Dom wieder aufleben lassen. Dies mit zahlreichen, bislang noch nie gezeigten Exponaten aus 1.000 Jahren Domgeschichte, dies mit Hilfe von Rekonstruktionen. Mit einer Rekonstruktion zum Beispiel des im 15. Jahrhundert geschaffenen und 200 Jahre später abgerissenen Ostlettners, der einst den Ostchor vom Langhaus trennte.



Er habe nicht den Dom von gleich nebenan beschreiben wollen, sondern was verloren gegangen, in Vergessenheit geraten sei, sagt Kotzur, der auch Mainzer Dom- und Diözesankonservator ist. In der Ausstellung, so Kotzur, steckten zweieinhalb Jahre wissenschaftlicher Arbeit. "Wir bieten wirklich Neues", betont er. Die Schau erstreckt sich auf über 2.000 Quadratmeter: Funde - vor allem aus verschiedenen Depots des Museums -, Texttafeln, Leuchtbilder.



Da gibt es beispielsweise einen aus dem 13. Jahrhundert datierenden Engel, der einst seinen Platz auf dem Giebel des nördlichen Querhauses hatte. Ebenfalls aus dieser Zeit datieren und vom Dach des Doms kommen ein Löwe und ein Schwein. Da gibt es im Maßstab 1:25 die Rekonstruktion des Martins-Chörleins, das ehemals seinen Platz inmitten des Hauptschiffs hatte, da wird an den einstigen Westlettner des Naumburger Meisters aus dem 13. Jahrhundert erinnert.



Schlusspunkt unter Jubiläum

Die Ausstellung setzt den Schlusspunkt zu dem im Jahr 2009 in Mainz begangenen Jubiläum "1.000 Jahre Willigis-Dom". In der Amtszeit des Mainzer Erzbischofs Willigis (975 bis 1011) wurde das damals in seiner Größe Maßstäbe setzende Gotteshaus am heutigen Platz der Kathedrale und im Wesentlichen auch in der heutigen Ausdehnung errichtet und anno 1009 vollendet. Am 29. oder 30. August desselben Jahres jedoch fiel der Dom kurz vor oder nach seiner Weihe einem Brand zum Opfer. Im Jahr 1036 war der Wiederaufbau fertig, wurde der Dom geweiht.



Verschwunden sind und in der Ausstellung wieder aufgerufen werden zum Beispiel auch Wandteppiche und die farbige Ausmalung des Doms. Dessen Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte wurden ausgelöst sowohl durch Wechsel der Stile und Moden wie auch durch Brandkatastrophen und durch seine unterschiedlichen Funktionen, etwa als Krönungskirche, als Wallfahrtsort und Grablege, als Stiftskirche des Domkapitels, als Kulisse weltlicher und religiöser Feste.



Zur Eröffnung der Schau am Freitag waren unter anderen der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und die rheinland-pfälzische Kulturministerin Doris Ahnen (SPD) gekommen. Lehmann, dessen Bischofskirche der Dom ist, ist Schirmherr der Ausstellung. Er sieht in ihr ein kühnes Projekt mit "überraschenden Entdeckungen". Er wünsche der Ausstellung, so der Kardinal, viele Besucher, die nach einem Rundgang nicht nur den Dom, sondern auch den Geist, der seine Gestalt geprägt habe, neu entdeckten.