Weltberühmtes Museum zeigt seine 250 wertvollsten Werke

Madrider Prado lockt nach Corona-Pause mit "Wiedervereinigung"

Neben dem Hunger nach Begegnung quält quarantäne-geplagte Menschen auch die Lust auf Kunst und Kultur. Diese will nun der weltberühmte Prado in Madrid stillen. Mit einem Fünf-Sterne-Menu seiner auserlesensten Leckerbissen.

Außenansicht des Prado-Museums in Madrid / © Manuel Meyer (KNA)
Außenansicht des Prado-Museums in Madrid / © Manuel Meyer ( KNA )

Nach drei Monaten Corona-Zwangspause öffnet das weltberühmte Madrider Prado-Museum am Samstag mit der Ausstellung "Wiedervereinigung" erneut seine Tore. Und gleich zu Beginn wird deutlich, dass es sich um eine sehr spezielle Ausstellung handelt. Bereits wenige Meter hinter der Sicherheitskontrolle mit Temperaturmessung, Desinfektionsgel und Schuhsohlensäuberung überraschen im ersten Vorsaal der großen Hauptgalerie zwei Meisterwerke der Kunstgeschichte: Auf der rechten Seite die "Verkündigung" Fra Angelicos aus dem Jahr 1426, zur Linken die weltberühmte "Kreuzabnahme" (um 1443) von Rogier van der Weyden.

Danach geht alles Schlag auf Schlag. Es folgen die beiden wertvollsten Porträtmalereien des Museums - Albrechts Dürers Selbstporträt von 1498 und die 1562 angefertigte Selbstdarstellung Tizians. Jetzt öffnet sich der Blick in die 200 Meter lange Hauptgalerie des Museums im ersten Stock, in der die Museumsleitung zur Sonderschau die 250 wertvollsten Gemälde der Madrider Pinakothek versammelten, damit der Museumsbesuch trotz Corona-Einschränkungen ein Hochgenuss wird.

Werke vieler großer Künstler

Und was für einer: chronologisch und nach Schulen geordnet reihen sich spanische, italienische und flämische Meister aneinander - Hieronymus Bosch, Rembrandt, Rafael, Caravaggio, Rubens, Diego Velazquez, Goya, Ribera, Murillo, Zurbaran. Anschaulich wird deutlich, dass der Prado über eine der weltweit bedeutendsten Kunstsammlungen verfügt.

Im ersten Seiten-Saal versammelte das Museum die Meisterwerke von El Greco. Die bunt-leuchtenden, manieristisch deformierten Marien- und Heiligenmalereien des Künstlers stehen im krassen Gegensatz zu den dunklen Gemälden von Rubens und Tizian. Wenige Meter weiter geht es in den sogenannten Velazquez-Seitensaal. Der Saal 12 ist vor allem für "Die Hoffräulein" des spanischen Hofmalers bekannt. Doch nun hängen hier auch Velazquez' weltberühmte Porträts, seine Hofnarren, "Die Betrunkenen", "die Spinnerinnen". "Es handelt sich um eine einzigartige Gelegenheit, die Meisterwerke des Prados in einer kaum wiederholbaren Weise zu sehen", versichert Prado-Direktor Miguel Falomir.

Meisterwerke neu angeordnet

190 Werke wurden im Museum für die Ausstellung "Wiedervereinigung" umgehängt. Dabei kommt es zu ungewöhnlichen und seltenen Vergleichen von Werken verschiedener Epochen - beispielsweise der seine Kinder fressende Saturn von Rubens (1638) und Goyas Version aus dem Jahre 1823. Es folgt ein Goya-Saal, in dem erstmals seine Großgemälde vereint sind - auch die "Erschießung der Aufständischen". Im darauffolgenden "romantischen" Saal hängen plötzlich Goyas "Majas" neben Werken von Sorollas "Jungen am Strand" aus dem Jahr 1909.

Um Massenansammlungen zu verhindern, sind alle diese Meisterwerke eigentlich auf das gesamte Museum mit seinen 40.000 Quadratmetern verteilt. Da mit den neuen Corona-Maßnahmen nun aber nur 1.800 Besucher am Tag zugelassen sind, konzentrierte man die Werke in ungewohnt dichter Hängung auf gerade einmal 2.833 Quadratmeter. "So viele Meisterwerke auf so engem Raum wird man wahrscheinlich nicht wiedersehen", meint Direktor Falomir. Die Ausstellung ist bis 13. September geöffnet.

Autor/in:
Manuel Meyer
Quelle:
KNA