John von Düffel, Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin, betonte im Kunstmuseum des Erzbistums "Kolumba" zwei Besonderheiten in der Arbeit von Vekemans: das Fokussieren auf die Figur und die Narration. Ihre Kunst bestehe darin, Figuren in eine Situation zu bringen und sprechen zu lassen. Die Texte könnten einen zunächst dazu verleiten, sie zu unterschätzen. Aber Vekemans' Figuren seien komplex, mit Widersprüchen und Dynamik. Dabei handele es sich nicht um psychologische Beziehungsdramen, sondern im Kern um antike Tragödien.
In Vekemans' Stücken gehe es meist um Figuren "im Schatten des Helden", sagte der Vorsitzende der Jury und Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln, Josef Sauerborn, zur Begründung des Preises. So werde in "Schwester von" das Leben von Antigones Schwester Ismene beleuchtet. "Judas" thematisiere den Jünger, der Jesus verraten hat. In ihrem aktuellen Stück "Gift" gelinge es der Autorin, die zunächst enge Beziehung von Eheleuten darzustellen, die durch den Tod des gemeinsamen Kindes zerstört wird.
"Welche Rolle spielen wir?"
Vekemans verwies in ihren Dankesworten auf die derzeitige Krise in Europa. Sie werfe die Frage auf: Welche Rolle will ich spielen? Die deutsch-niederländische Regisseurin und Übersetzerin Eva Pieper wurde "für ihre kraftvolle und differenzierte Übersetzung»" geehrt, wie es hieß. Pieper begleite die Arbeit der Autorin zunehmend schon bei der Entstehung.
Der Ludwig-Mülheims-Theaterpreis wird in der Regel alle zwei Jahre vergeben. Er speist sich aus dem Vermächtnis des 1991 verstorbenen katholischen Schauspielers Ludwig Mülheims, das dieser dem Erzbistum Köln als Sondervermögen überließ. Im Kuratorium sitzen renommierte Persönlichkeiten der Kunstszene wie der Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, Ulrich Khuon, und der Intendant der Staatsoper im Schiller-Theater Berlin, Jürgen Flimm.