Beim jüngsten Zentralabitur lag die Durchschnittsnote laut Sommer an den Gymnasien bei 2,59. An den Gesamtschulen lag sie dagegen bei nur 2,87. Während an den Gymnasien lediglich 1,8 Prozent der Abiturenten durchfielen, lag diese Quote an den Gesamtschulen bei 6,7 Prozent.
Insbesondere in den Fächern Mathematik und Physik sei die Prüfungsnote der Gesamtschul-Abiturienten um bis zu 2,9 Punkten von deren vorherigen Durchschnittsnoten abgewichen. Dagegen habe es bei den Gymnasien sogar «in der Regel eine leichte Abweichung nach oben» gegeben, erklärte die Schulministerin.
Sommer legte einen Sieben-Punkte-Katalog zur Verbesserung des Leistungsniveaus an den Gesamtschulen in NRW vor. Dieser sieht mehr und besseren Unterricht vor, bessere Aufgabenstellungen sowie mehr Beratung, Fortbildung und Abstimmung an den Gesamtschulen. «In Nordrhein-Westfalen sollen so viele junge Menschen wie möglich Abitur machen können und zwar ein gutes Abitur», so Sommer. Die Gesamtschulen sollten «nicht diffamiert oder bloßgestellt» werden.
Doch es sei nicht hinzunehmen, dass es Abitur gebe, «dass sich in Light-Version und Normalmaßstab aufgliedert».
An dem jüngsten Zentralabitur nahmen landesweit 74.000 Schüler teil, 97,4 Prozent bestanden das Abitur. Die Durchfallerquote sank gegenüber dem Vorjahr von 3,6 auf 2,6 Prozent. 380 Gymnasiasten und 12 Gesamtschüler erreichten die Note 1,0.
Rücktrittsforderungen der rot-grünen Landtagsopposition an die Schulministerin wegen Fehlern in den Abituraufgaben wies diese entschieden zurück. «Ich lasse mich nicht von Leuten zum Rücktritt auffordern, die in diesem Lande über Jahrzehnte 5,8 Millionen Stunden Unterrichtsausfall pro Jahr und die Benachteiligung sozial schwacher Schüler zu verantworten hatten», sagte Sommer. Die Politikerin kündigte an, dass künftig Kommission aus sechs Sachverständigen «die Endverantwortung für die redaktionelle Korrektheit» der Prüfungsaufgaben beim Zentralabitur übernehmen werde. Der Sprecher der NRW-Lehrerverbände, Peter Silbernagel, warf Sommer «eine Entmündigung» ihres Ministeriums vor. Es würden originäre Aufgaben ausgelagert und Verantwortung abgeschoben, «um einen anderen Blitzableiter zu finden».
Der CDU-Schulexperte Bernhard Recker erklärte, die Aufstockung der Lehrerstellen, die Reduzierung des Unterrichtsausfalls und die intensive Förderung des individuellen Unterrichts zeigten Wirkung.
Die SPD-Bildungspolitikerin Ute Schäfer kritisierte die angekündigten Fördermaßnahmen für die Gesamtschulen als unverhältnismäßig und als «Feldzug» gegen diese Schulform. Stattdessen bleibe die Ministerin Antworten auf die zentralen Fragen zur mangelnden Durchlässigkeit, zum Fachlehrermangel und zu drängenden Problemen beim achtjährigen Abitur schuldig.
Die Grünen-Politikerin Sigrid Beer nannte die Maßnahmen für die Gesamtschulen «paradox und scheinheilig», da die schwarz-gelbe Landesregierung seit ihrem Amtsantritt die Gesamtschulen nur benachteiligt habe. Die leicht abweichenden Abiturnoten der Gesamtschulen könnten sich auch im Vergleich zu den Gymnasien «sehen lassen», da die Gesamtschulen schließlich viel mehr Schüler aus bildungsfernen Bevölkerungsgruppen zum Abitur führten.
Die Lehrergewerkschaft VBE nannte die Einrichtung eines Sachverständigenrates einen «guten und richtigen Schritt». Der VBE-Landesvorsitzende Udo Beckmann begrüßte auch die angekündigte Unterstützung für die Gesamtschulen. Viele Gesamtschulen seien in Stadtteilen mit schwieriger Sozialstruktur zu finden.
Leistungsgefälle zwischen Gymnasien und Gesamtschulen - Zentralabitur "bewährt"
Hinterherhinken
Bei der Ergebnisauswertung des jüngsten Zentralabiturs hat das nordrhein-westfälische Schulministerium deutliche Leistungsunterschiede zwischen Gymnasien und Gesamtschulen festgestellt. "Anstatt den Schülern neue Chancen zu eröffnen, schaffen es die Gesamtschulen bislang nicht, ihre Schüler auf ein vergleichbares Leistungsniveau zu bringen wie die Gymnasien", erklärte Schulministerin Barbara Sommer am Dienstag vor Journalisten in Düsseldorf.
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