Leipziger Medienpreis für türkische Journalisten Dündar und Gül

Erzbischof Koch lobt Einsatz für Freiheit

Die Journalisten Can Dündar und Erdem Gül haben den Leipziger Medienpreis auch stellvertretend für ihre inhaftierten Kollegen erhalten. In seiner Laudatio lobte Berlins Erzbischof Heiner Koch den Einsatz der Preisträger für die Freiheit.

Journalisten Can Dündar (l.) und Erdem Gül / © Sedat Suna (dpa)
Journalisten Can Dündar (l.) und Erdem Gül / © Sedat Suna ( dpa )

Die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül sind mit dem Leipziger "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" ausgezeichnet worden. Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig würdigte die beiden Preisträger für ihre unabhängige und beharrliche journalistische Arbeit trotz politisch motivierter Verfolgung, Gefahren und Bedrohungen. Der frühere "Cumhuriyet"-Chefredakteur Dündar nahm den mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Preis am Freitagabend in Leipzig entgegen.

Preis als Botschaft an türkische Regierung

Die Auszeichnung verstehe er als "eine Geste der Solidarität" für ihn und andere verfolgte Kollegen, sie sei eine Unterstützung "in unserem Kampf um Demokratie und Meinungsfreiheit", sagte Dündar vor der Preisverleihung. Der Preis sei aber auch eine Botschaft an die Regierung der Türkei. "Kein Regime, das die Presse unterdrückt, hat dauerhaft die Chance zu überleben", zeigte Dündar sich überzeugt.

Die Politiker und Journalisten in Europa rief er dazu auf, in die Türkei zu reisen und mit inhaftierten Redakteuren zu sprechen. Sein Heimatland bezeichnete Dündar als das "größte Journalistengefängnis der Welt".

Dündar und der "Cumhuriyet"-Hauptstadtbüroleiter Gül waren im Mai zu jeweils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, nachdem sie über türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien und die Verwicklung des Geheimdienstes in die Transporte berichtet hatten.

Gül hat Ausreiseverbot

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Gül konnte nicht zur Preisverleihung nach Leipzig reisen, da ihm sein Reisepass entzogen wurde. Dündar hatte nach dem Putschversuch im Sommer seinen Posten als Chefredakteur aufgegeben und lebt derzeit als freier Journalist in Deutschland.

Als die Preisträger im Juni dieses Jahres gekürt wurden, habe die Medienstiftung noch nicht gewusst, "welch dramatische Dimension" das Thema Pressefreiheit in der Türkei in den nächsten Wochen erreichen würde", sagte Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung. "Mit Hinweis auf den versuchten Putsch und seine tatsächlichen oder auch angeblichen Hintermänner schränkt die Regierung demokratische Freiheiten massiv ein", sagte er. Die Preisträger Dündar und Gül hätten dies am eigenen Leib erlebt.

Erzbischof Koch mit Laudatio

Berlins Erzbischof Heiner Koch, der am Abend die "Leipziger Rede zur Medien- und Pressefreiheit 2016" hielt, lobte den Einsatz der Preisträger für die Freiheit und Demokratie. Sie zahlten dafür "keinen geringeren Preis" als den ihrer demokratischen Grundrechte und eigenen Freiheit, sagte Koch laut vorab verbreitetem Redemanuskript.

Es sei besorgniserregend, wie stark in vielen Ländern die Spannungen zugenommen hätten, sagte Koch. "Wir sehen, wie das freie Wort zur Bedrohung nicht nur für die berufliche Existenz, sondern für Leib und Leben überhaupt werden kann - nicht zuletzt mit religiöser Begründung." Dies sei für ihn unerträglich und beschämend.

Niemand könne sich aber auf seine Freiheitsrechte berufen in dem Glauben, dass damit keinerlei Verantwortungspflichten einhergingen, sagte Koch weiter. Das Wohl des Einzelnen lasse sich nur erreichen, "wenn Sorge für das Gemeinwohl getragen wird, für Frieden, Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit", erklärte der Erzbischof.


Erzbischof Heiner Koch / © Oliver Berg (dpa)
Erzbischof Heiner Koch / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
epd