Warum eine Punkband über Weihnachten singt

Leere Kirchen und "Macht hoch die Tür"

Schon lange haben die "Broilers" von einem Weihnachtsalbum geträumt, jetzt haben sie es in die Tat umgesetzt. Warum geht es auch um leere Kirchen und warum spielen sie in einem völlig anderen Kontext auf ein Adventslied an?

Die Broilers aus Düsseldorf / © Robert Eikelpoth (Kingstar Music)
Die Broilers aus Düsseldorf / © Robert Eikelpoth ( Kingstar Music )

DOMRADIO.DE: Santa Claus heißt das neue Weihnachtsalbum, Anfang November ist es erschienen. Wie kam es dazu?

Andreas "Andi" Brügge (Schlagzeuger und Gründungsmitglied der "Broilers"): Das hatte mehrere Gründe. Zum Einen ist es ja so, dass viele große Bands und Künstler, die wir auch sehr lieben, schon Weihnachtslieder und Weihnachtsalben gemacht haben. Da haben wir immer aus Spaß darüber gesprochen, dass man das eigentlich auch machen müsste. Und dieses Jahr war es ja nun so, dass unsere Sommertour, die ganzen Festivals und Open Airs pandemiebedingt ausgefallen sind. Da haben wir einfach die Gelegenheit beim Schopf gegriffen und gesagt: Jetzt machen wir das mal. Und da wir alle Weihnachten wirklich mögen und lieben, ist auch jeder von uns sofort Feuer und Flamme gewesen.

Wir haben eine Playlist erstellt und eine Liste gemacht, in die sich jeder einbringen konnte mit den Liedwünschen, die er so hatte. Mit dieser Liste sind wir dann ins Studio gegangen und haben geguckt, was klappt und was nicht so klappt und haben dann auch sehr schnell gesehen, was funktioniert und was nicht so funktioniert. Wir sind ganz glücklich mit dem, was dabei rausgekommen ist.

DOMRADIO.DE: Und warum der Name "Santa Claus"? In Anlehnung an den Nikolaus?

Brügge: Richtig, das ist so ein bisschen ein Wortspiel. Wir haben vor einigen Jahren ein Album rausgebracht, das hieß Santa Muerte und Santa Muerte - Santa Claus, das fanden wir ganz lustig. Und da ist auch das Artwork und das Cover-Design ein bisschen drauf angelegt.

DOMRADIO.DE: Wie feiern denn die Bandmitglieder Weihnachten?

Brügge: Da sind wir ganz klassisch unterwegs. Wir feiern mit den Familien, so, wie man es kennt, mit Weihnachtsbaum, mit gutem Essen, Geschenken und viel Zeit für die Lieben zu Hause.

DOMRADIO.DE: Spielt da auch der religiöse Aspekt von Weihnachten eine Rolle oder ist das unterschiedlich?

Brügge: Das ist tatsächlich ganz unterschiedlich. Ich glaube, das ist einfach was sehr Persönliches. Da redet auch keiner dem anderen rein. Es gibt bei uns Leute, die können damit gar nichts anfangen. Es gibt auch Leute, die da durchaus sehr offen sind.

DOMRADIO.DE: Was würden Sie jemandem sagen, der meint, dass Weihnachten und Punkrock nicht zusammenpassen?

Brügge: Da ist ja immer die Frage, was Punkrock für den Einzelnen bedeutet. Für mich hat Punkrock schon immer bedeutet, dass man das macht, was man für richtig hält. Und natürlich gehört immer dazu, dass man Ordnungen und Regeln hinterfragen darf. Aber wenn ich für mich beschlossen habe, dass das genau der Weg ist, den ich gehen möchte, dann tue ich das und dann hat auch kein Anderer mir da reinzureden.

DOMRADIO.DE: Dann schauen wir auf einmal ein bisschen genauer auf das Lied "Grauer Schnee", das von der Band selbst geschrieben wurde. Worum geht es da?

Brügge: Sammy, der unsere Texte schreibt, ist es immer sehr wichtig, dass man Kontraste in den Liedern hat. Deswegen auch der graue Schnee und nicht der weiße Schnee. Und das Lied ist schon so, dass in den Strophen immer so ein bisschen Sozialkritik und Konsumkritik mit rein spielt, wenn er singt, dass Coca Cola den Weihnachtsmann geklaut hat oder dass die Weihnachtsbäckerei abgebrannt ist. Aber auf der anderen Seite hat das im Refrain was sehr Umarmendes, was sehr Schönes, wenn er sagt, dass ich durch den grauen Schnee zu dir komme und dass es eigentlich immer am Besten ist, wenn man zusammen ist und wenn man sich sieht.

DOMRADIO.DE: Und da findet man ja neben diesen anderen Punkten auch die Zeile, dass die Kirchen schlecht besucht werden. Gehört das auch zu dieser Kritik oder ist es einfach eine Feststellung?

Brügge: Das ist natürlich erstmal eine Feststellung, dass die Kirchen für viele Leute immer unwichtiger werden. Und trotzdem ist es ja so, dass Weihnachten irgendwie ungebrochen und für viele einen Reiz und eine Faszination ausübt.

DOMRADIO.DE: Wenn wir schon über Weihnachten und Musik reden: Im Lied "Porca Miseria" auf einem anderen Album hört man die Zeile: "Nicht mehr weit das Tor, nicht mehr hoch die Tür". Da liegt ja die Assoziation zu dem Adventslied "Macht hoch die Tür" sehr nah...

Brügge: Das ist natürlich Absicht. In dem Lied geht es ja, platt gesagt, um Europa. Und natürlich gibt es viele Kräfte, gerade von der rechten Seite, die sich die Rettung Europas und die Rettung des Abendlandes auf die Fahnen schreiben, aber gleichzeitig die Werte, wofür es eigentlich steht, komplett vergessen. Deswegen ist diese Zeile darin.

Das Interview führte Hannah Krewer.

Andi Brügge / © Robert Eikelpoth (Kingstar Music)
Quelle:
DR
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