Laut Religionsrat beabsichtigt Russland Genozid am ukrainischen Volk

"Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Wegen anhaltender russischer Attacken waren zuletzt Millionen Ukrainer bei eisiger Kälte von der Strom- und Wärmeversorgung abgeschnitten. Ukrainische Religionsvertreter erheben nun drastische Vorwürfe gegen Moskau.

Kiew: Rettungskräfte räumen die Trümmer eines Wohnhauses, das nach einem russischen Angriff schwer beschädigt wurde / © Evgeniy Maloletka/AP (dpa)
Kiew: Rettungskräfte räumen die Trümmer eines Wohnhauses, das nach einem russischen Angriff schwer beschädigt wurde / © Evgeniy Maloletka/AP ( dpa )

Religionsführer in der Ukraine beschuldigen Russland angesichts der jüngsten Angriffe auf das Land, einen Völkermord begehen zu wollen. 

Die russische Armee habe mit Raketen und Drohnen unter anderem gezielt Anlagen der ukrainischen Energie-Infrastruktur zerstört und beschädigt, damit Zivilisten bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius Strom, Heizung und Trinkwasser fehlten, erklärte der Gesamtukrainische Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften am Mittwochabend. Es sei klar, "dass es sich hierbei um Akte des Staatsterrors der Russischen Föderation handelt, die auf einen Genozid am ukrainischen Volk abzielen".

Anwohner betrachten ein zerstörtes Wohnhaus nach einem russischen Luftangriff im Wohnviertel Podil. / © Matthew Hatcher/SOPA Images via ZUMA Press Wire (dpa)
Anwohner betrachten ein zerstörtes Wohnhaus nach einem russischen Luftangriff im Wohnviertel Podil. / © Matthew Hatcher/SOPA Images via ZUMA Press Wire ( dpa )

Dem Religionsrat zufolge wurden in den vergangenen Tagen viele Wohnhäuser zerstört, Dutzende Zivilisten getötet und Hunderte verwundet. Obwohl Russland als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates eine besondere Verantwortung für den Schutz des Friedens trage, missachte es "systematisch, vorsätzlich und zynisch" das humanitäre Völkerrecht. Auch mit russischen Religionsvertretern gehen die ukrainischen Glaubensgemeinschaften hart ins Gericht.

Persönlichkeiten der russisch-orthodoxen Kirche und anderer Konfessionen, die diesen Krieg und die Tötung von Ukrainern unterstützten und gutheißen, seien "moralische Komplizen bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit", heißt es in der Erklärung.

Dank an Papst

Kritisiert wird zudem, dass Russland, statt einer Waffenruhe über Weihnachten zuzustimmen, in der Zeit von Neujahr bis zum orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar seine Angriffe auf die Ukraine sogar verstärkt habe. Der ukrainische Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften verurteilte die russischen Angriffe entschieden und betonte, wer Russland unterstütze, leiste Beihilfe zur weiteren Aggression. 

Das Kiewer Gremium bedankte sich zugleich bei Papst Leo XIV. und Staats- und Regierungschefs für ihre "standhafte Unterstützung der Ukraine" und ihre Appelle an Russland, die Angriffe auf die Zivilbevölkerung zu beenden. Dem Rat gehören die Spitzen der 16 wichtigsten Religionsgemeinschaften der Ukraine an – christliche, jüdische und muslimische.

Christliche Kirchen in der Ukraine

Die kirchlichen Verhältnisse in der Ukraine sind komplex. Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats und der autokephalen (eigenständigen) Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Zudem gibt es eine römisch-katholische Minderheit mit rund einer Million Mitgliedern sowie die mit Rom verbundene (unierte) griechisch-katholische Kirche der Ukraine.

Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny (KNA)
Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny ( KNA )
Quelle:
KNA