Lateinamerika-Experte analysiert Brasilien vor der Wahl

Gespaltenes Land

Vor den Präsidentschaftswahlen in Brasilien am 2. Oktober sieht der Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Norbert Bolte, ein gespaltenes Land. Die Wahl sei richtungsweisend für die Zukunft Brasiliens.

Brasilien steht am Scheideweg: Politisch links oder rechts? / © Leo Correa (dpa)
Brasilien steht am Scheideweg: Politisch links oder rechts? / © Leo Correa ( dpa )

"Die systematischen verbalen Attacken gegen Frauen, Indigene, Afro-Brasilianer und Andersdenkende, die tätlichen Angriffe auf Bürgerinnen und Bürger und die regelmäßige Drohung mit einem Militärputsch haben das politische Klima nachhaltig vergiftet", sagte Bolte am Dienstag in Essen. Die kommende Wahl entscheide über die demokratische Zukunft des Landes, die soziale Zukunft des Subkontinents und die ökologische Zukunft des Planeten.

Indigene demonstrieren in Brasilien / © Eraldo Peres/AP (dpa)
Indigene demonstrieren in Brasilien / © Eraldo Peres/AP ( dpa )

Sowohl die Vernichtung des Regenwaldes als auch die Zahl der Hungernden in Brasilien hätten traurige Rekordwerte erreicht, so die Hilfsorganisation. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sei von Ernährungsunsicherheit betroffen. Bolte bezeichnete die Bilanz der Präsidentschaft von Jair Messias Bolsonaro als "eine einzige Spur der Verwüstung".

Zudem sieht der Experte bei der Bolsonaro-Regierung eine Mitverantwortung für die hohe Sterberate während der Corona-Pandemie. Fast 700.000 Menschen fielen ihr in Brasilien zum Opfer, wie es hieß. Der Präsident habe die Hygiene- und Schutzkonzepte der Bundesstaaten immer wieder torpediert.

Bolsonaros Spur der Verwüstung

Jair Bolsonaro / © Eraldo Peres (dpa)
Jair Bolsonaro / © Eraldo Peres ( dpa )

Seit drei Jahren schreite auch die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes ungebremst voran. "Bolsonaro hat mit seiner Politik Holzfäller, die Agrarindustrie und Bergbauunternehmen geradezu aufgefordert, den Regenwald abzuholzen und abzufackeln", kritisierte Bolte. Die Umweltbehörde sei gezielt geschwächt, sämtliche Kontrollen seien eingestellt worden. Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, die auf die Missstände hinwiesen, lebten gefährlich.

Zuletzt waren der britische Journalist Dom Phillips und der brasilianische Indigenen-Experte Bruno Pereira ermordet worden.

"Anstatt auf Aufklärung der Morde zu drängen, gibt Bolsonaro den ermordeten Umweltaktivisten eine Mitschuld an ihrem Tod. Das zeigt die Menschenverachtung dieses Präsidenten", so Bolte. Unabhängig vom Ausgang der Wahl werde sich das Hilfswerk mit seinen Partnerinnen und Partnern weiter für den Schutz des Amazonasgebietes und seiner Bevölkerung einsetzen.

Adveniat

Das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, Adveniat, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden.

Eröffnung der Adveniat-Aktion 2016 / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Eröffnung der Adveniat-Aktion 2016 / © Rolf Vennenbernd ( dpa )
Quelle:
KNA